IKG: Deutsche Zustände. Folge 9

6. Dezember 2010 4
Autoren: Heitmeyer et al.
Institution: Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Uni Bielefeld)
Titel: Deutsche Zustände. Band 9
Veröffentlicht: 3.12.2010
Download: Pressehandout

Mit Unruhige Zeiten ist ist die diesjährige Ausgabe des Langzeitforschungsprojektes zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF Survey) betitelt. Das Forscherteam um Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer untersucht seit 2002 Ausmaße, Entwicklungen und Ursachen von Vorurteilen, darunter Formen von Homophobie, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Islamophobie. 1

Folgende Erkenntnisse werden von den Forschern selbst hervorgehoben:

  1. Die Wahrnehmung einer Bedrohung durch Krisen hat auch zwischen 2009 und 2010 zugenommen und ist bei den Betroffenen aggressiv aufgeladen.
  2. Insbesondere höhere Einkommensgruppen verweigern schwachen Gruppen ihre Unterstützung. Sie reklamieren verstärkt Etabliertenvorrechte und weisen erhebliche Zusammenhänge mit Abwertungen schwacher Gruppen auf.
  3. Es gibt unterschiedliche Entwicklungen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Anstiege finden wir bei Forderung von Etabliertenvorrechten, Islamfeindlichkeit und dem über den Umweg Israel kommunizierten Antisemitismus.
  4. Die Reklamierung der Etabliertenvorrechte dient immer der Besitzstandswahrung, nur sind die oberen Einkommensgruppen jetzt verstärkt dabei, Privilegien zu sichern.
  5. Die zunehmende Islamfeindlichkeit zeigt sich insbesondere bei höheren Einkommensgruppen. Bildung wirkt in diesem Fall der Abwertung nicht entgegen. Islamfeindlichkeit ist konsensfähig, auch bei jenen, bei denen es bisher nicht zu erwarten war.
  6. Während sich Arme mit Hilfsbedürftigen solidarisieren ist dies in den höheren Einkommensgruppen weniger der Fall.
  7. Die Befürworter der Leistungsgerechtigkeit, die in höheren Einkommensgruppen besonders häufig gefordert wird, forcieren die Abwertung solcher Gruppen, denen wenig Leistung zugesprochen wird – also Langzeitarbeitslose, Migranten und Wohnungslose.
  8. Die Demokratieentleerung hat zwischen 2009 und 2010 weiter signifikant zugenommen.
  9. Rechtspopulistische Einstellungen nehmen insbesondere zwischen 2009 und 2010 in höheren Einkommensgruppen deutlich zu.
  10. Rechtspopulistische Einstellungen verbinden sich mit islamfeindlichen Einstellungen und sind aggressiv aufgeladen.

Presseecho:

Die Studie ist wie ihre Vorgänger im Suhrkamp Verlag erschienen: Wilhelm Heitmeyer (Hg.): Deutsche Zustände. Folge 9. Berlin 2010, 348 Seiten, 15 Euro. Kaufen bei: Amazon.

Notes:

  1. Zur Kritik am Islamophobie-Konstrukt des GMF-Survey 2002 bis 2009 siehe: Felix Struening: Buchauszug: Mythos Islamophobie. Wie stehen die Deutschen wirklich zum Islam?

4 Comments »

  1. Daniel 13. Dezember 2011 at 10:22 - Reply

    Guter Artikel. Auch ich habe mich mit dem Thema befasst und stimme dir voll und ganz zu. http://kehraus.blogspot.com/2011/12/die-verrohte-burgerlichkeit-der.html

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