Hamed Abdel Samad: "Muslime sollen den Islam nicht wie eine vorgesetzte Suppe auslöffeln"

24. November 2010 5

Der Theatersaal des Neuköllner Heimathafens ist brechend voll. Mehr als 350 Interessierte drängen sich in dem großzügigen Raum, der nur für 300 Besucher bestuhlt ist. Das Personal irrt umher, versucht noch Stühle für die Menschentrauben zu finden, die sich vor dem Eingang drängen. Auf der Bühne stehen ein Tisch, ein tiefes Sofa und ein Sessel. Ein kleiner Mann mir grauen Haaren tappt die Stufen auf die Bühne hinauf. Er verschwindet hinter all den Menschen, die jetzt aufgestanden sind, um ihn zu begrüßen: Henryk M. Broder. Im folgt Hamed Abdel Samad, der eigentliche Star des Abends. Er soll heute sein neues Buch “Der Untergang des Islam” vorstellen. Broder versinkt tief im Sofa, Abdel Samad nimmt neben ihm Platz.

Abdel Samad, Sohn eines Imam und radikalen Antisemiten in Ägypten, wandelte sich nach seiner Migration nach Europa durch Bildung und dem Hunger nach Wissen zum Autor eines Buches, das laut der Moderatorin, einer TAZ-Redakteurin, der Gegenentwurf zu Sarrazins “Deutschland schafft sich ab” sei. Abdel Samads provokante These: Der Islam schafft sich ab. Dem Islam fehlt es an Konzepten für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Das islamische System, das für das siebte Jahrhundert geschafften wurde, hält den heutigen Herausforderungen nicht stand. Er Vergleicht den Islam mit der Wirkung von Alkohol: In geringen Maße könnte er heilsame und beruhigende Kräfte entwickeln; Abdel Samad meint den spirituellen Islam. Hochprozentig aber, jetzt geht er auf den politischen und juristischen Islam ein, kann er gefährlich werden. Für ihn war die Trennung vom Islam wie eine Entzugstherapie, sagt er, die wie eine Trennung von einem Teil seines Lebens wirkte. Doch der Zerfall der islamischen Gesellschaft ist aufgrund des demografischen Wandels unaufhaltbar. Das in der Region verdiente Geld wird nicht in Bildung und Wissenschaft investiert, ein drastischer Fehler, meint Abdel Samad.

Nun greift Broder ein, die „Kalaschnikow des deutschen Journalismus“, erklärt die Moderatorin. Er beschwert sich über die Dialoge in der Gesellschaft, die zu Trialogen verkommen seien. Es freut ihn, dass Kanzlerin Merkel in der christlich-jüdischen Tradition Schutz sucht. Doch bei seiner Deutschland-Safari ist ihm vor allem die Merkwürdigkeit des vorauseilenden Gehorsams aufgefallen, den Deutsche pflegen. So wunderte er sich darüber, dass er auf dem Oktoberfest an der Schlange von Frauen vorbeigeführt wurde, um möglichst schnell auf die Toiletten gehen zu können. Broder hatte sich eine Burka aufgesetzt.

Und dann sprechen Sie über die aktuelle Terrorangst, über eine mögliche weitere Radikalisierung des Islamismus, weil der Islam seinen eigenen Zerfall erkennen wird. Eigentlich fürchtet er sich mehr vor den schlauen Indern, als vor einer Islamisierung, sagt Broder. Siegen wird der Islam nicht über Europa, aber Europa könnte diesen Kampf verlieren. Kurz versucht er sich daran zu erinnern, wann der letzte Nobelpreis in ein islamisches Land gegangen ist – es fällt ihm nicht ein.

Abdel Samad ergänzt: Der Islam unterdrückt Forschung und Entwicklung, Bildung und Wissen. Was Migranten in Europa gelernt haben, müssen sie zurück in die islamischen Länder bringen. Er sieht es als unnötig an, das aus den Heimatländern mitgebrachte als „kulturelle Identität“ zu bezeichnen und in Europa erhalten zu wollen. Er stellt fest, dass bei den meisten Migranten diese kulturelle Identität sich nach spätestens drei Generationen legt, nicht aber bei Muslimen. Broder erwidert in seinem ruhigen und nachdenklich wirkenden Ton, Integration habe nichts mit Islam zutun. Religion ist Privatsache. Er kritisiert Bundespräsident Wulff, der sagte der Islam sei auch Teil der Gesellschaft geworden und nennt ihn spöttisch einen „Nathan der Weisen für Arme“. Er habe sich geirrt, denn er habe gedacht, seit Voltaire müsse in Europa niemand mehr auf die Religionen Rücksicht nehmen. Überhaupt sei der gesamte Westen von Lissabon bis an die Grenzen des alten Ostblocks viel zu tolerant.

Die Suche vieler Muslime nach Sündenböcken erklärt sich Abdel Samad mit Allmachtsphantasien und Minderwertigkeitskomplexen aus der islamischen Welt. Der langsam aufkommende Abbauprozess mache Muslime sauer und leicht reizbar. Den Ausweg sieht er nur noch in einem Umbrauch oder dem Bruch des Islam. Ohne Erdölvorkommen verfügt die islamische Welt über keinerlei Substanz mehr.

Broder wechselt nun zum islamischen Terrorismus, bei dem er festgestellt hat, dass aus muslimischen Ländern keinerlei Distanzierungsversuche nach Terroranschlägen geschehen. Als vor einigen Jahren eine Muslimin in einem Dresdener Gericht von einem Geistesgestörten erstochen wurde, habe man das erste Mal was aus diesen Ländern gehört. Wieso nicht Muslime auf die Straße gehen, wenn es wieder zu Terroranschlägen gekommen ist und hiergegen protestieren, will Broder wissen. Abdel Samad sagt, es sei ihm lieber, wenn Muslime nicht auf die Straße gehen. Als er nach den Terroranschlägen Ägypten besuchte, merkte er, wie verrückt das Land geworden ist. In einem Bus wurden Zettel verteilt mit Koranversen, in denen es hieß, die Häuser werden in ein tiefes Loch stürzen. Allah habe den 11. September 2001 gewollt. In selben Text heiße es, die Juden seien Schuld daran. Wieder unterbricht das Publikum die beiden durch lautes Lachen. In der aktuellen Integrationsdebatte wünscht er sich ohnehin mehr Humor. Kritikfähigkeit könnte bei vielen Muslimen auch durch Humor geschaffen werden, auch seien viele Muslime schnell beleidigt, wenn man ihren Glauben kritisiere.

Abdel Samad wird darauf hingewiesen, dass der Islam mal eine sehr offene und tolerante Religion gewesen sei. Er korrigiert und stellt fest, dass es die vielen Kulturen waren, die den Islam als weltoffen zeigten. In Wirklichkeit war er es nie. Der Islam habe sich zu einem Herrschaftssystem entwickelt, das den Fortschritt der Länder behindert.

Abdel Samad erklärt sich den Zusammenhang zwischen Terrorismus und dem Islam als gefährliches Zwischenspiel. Der Terror sei ohne den Islam nicht möglich, andersherum sei aber der Islam ohne Terror möglich, wenn es die Leute wollten. Sicherlich spielen noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle, sagt er, zum Beispiel das Erdöl. Er wirkt jetzt mehr wie ein Professor, der vor dem Auditorium eine Vorlesung hält. Kraftvoll gestikuliert er mit den Händen. Kurze Zeit gelingt es ihm sogar, sich in den Mittelpunkt zu stellen, Broder scheint verdrängt. Abdel Samad scheint seine Rolle gefunden zu haben. Früher, fährt er fort, habe man das Land verlassen, in dem es einem nicht gefallen habe. Aber Sozialhilfe und Satellitenfernsehen halten die Muslime in Deutschland. Daher ist Kitapflicht ab der Geburt auch absolut sinnlos, mischt sich Broder ein. Das Problem seien in Wirklichkeit keine Integrationsprobleme, sondern ein übertriebener Sozialstaat, der zu schlecht organisiert sei.

Er beklagt sich darüber, dass in Deutschland in den letzten zehn Jahren 96 Ehrenmorden geschehen seien. Wieso man nicht gleich beim ersten hart durchgegriffen habe und die Leute wieder zurückschickte, will er von der Politik und der Justiz wissen. Was Deutschland braucht, sei Mut zu schwierigen und tief greifenden Entscheidungen, die Islamisten mit sieben Kindern verhindern, die vollständig vom Sozialstaat abhängig sind.

In der anschließenden Diskussionsrunde betont Abdel Samad, dass man sich im Kampf um die Meinungsfreiheit nie vereinnahmen lassen darf. Sonst wird man nie die Wahrheit sagen können, ermahnt er das Publikum. Auf deutsche Konvertiten angesprochen, reagiert Broder mit dem seinem „Lieblingsbeispiel“, dem ehemaligen Boxer aus Köln und Konvertiten, Pierre Vogel. Ein absoluter Verlierer im Sport und im Job, der jetzt in seiner kleinen Gemeinde Anerkennung genießt: „ein absoluter Looser!“. Abdel Samad ergänzt: „Vor solchen Leuten muss der Islam geschützt werden.“

Broder tun die 130 Menschen leid, die im Verlauf der Auseinandersetzung um die Mohammed-Karikaturen gestorben sind; und Politiker wie Claudia Roth. Er erwähnt die Grünen-Chefin an diesem Abend einige Male, was zu Gelächter im Publikum führt. Laut Broder kam Roth völlig begeistert von einer Reise aus dem Iran zurück und behauptete, der kulturelle Austausch müsse vorangetrieben werden. Broder macht eine kurze Pause und ergänzt seinen Satz: „Während eine Frau in der Todeszelle auf ihre Steinigung wartet.“ Er verspricht dem Publikum sie jetzt nicht mehr zu erwähnen.

Zum Abschluss fordert Abdel Samad das Bundesverdienstkreuz, dafür dass er tagelang mit Broder unterwegs war. Er will es bei Wulff beantragen. Broder ergänzt ihn und lächelt: „Oder vielleicht einen Bundesverdienst-Halbmond?“ Das letzte Mal, dass Broder das Publikum an diesem Abend zum Lachen bringt.

An einen beleidigt wirkenden Moslem im Publikum wendet sich Abdel Samad abschließend mit der Bitte, nicht jede Kritik am Islam als Beleidigung oder als Kriegserklärung zu sehen, sondern auch als Chance. Muslime sollen raus aus der Emotionalität. Es sei eine Verlegenheit des Islam nicht kritikfähig zu sein. Sein Buch soll nicht wie der Koran die Illusion vermitteln, darin Antworten auf Fragen zu finden, die keiner gestellt hat. Es soll zum Nachdenken animieren, Muslime sollen den Islam auch hinterfragen können und nicht wie eine vorgesetzte Suppe auslöffeln.

5 Comments »

  1. D. Alexander 25. November 2010 at 13:40 - Reply

    Danke!
    Auch an Herrn Broder!

  2. gruenesreich 28. November 2010 at 03:58 - Reply

    broder nimm dich in acht! der islam steht und fällt nicht!

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