Bürgerliche Islamkritik in Deutschland – Grundlegung eines Forschungsprogramms

22. November 2010 1

… Fortsetzung des ersten Teils zu der Grundlegung eines Forschungsprogramms über die Bürgerliche Islamkritik, Definitionen und Methode.

3.3. Bürgerliche Islamkritik

Bei der Begriffswahl der Bürgerlichen Islamkritik handelt es sich um ein methodisches Konstrukt zur Untersuchung eben jener Akteure, die nicht zu den Bereichen Medien, Politik etc. gehören. Bürgerlich meint hier keine Klasse im Marx’schen Sinne sondern vielmehr Privatpersonen und Vereinigungen moderner Bürgergesellschaften, 1 also den zivilgesellschaftlichen Bereich, innerhalb dessen sowohl Organisationen als auch Einzelpersonen als Sprecher im Diskursfeld Islam auftreten können. 2

Für die Abgrenzung zu anderen Akteuren bzw. Diskursen im Diskursfeld Islam wird im Forschungsdesign die Zugehörigkeit zu einer Institution 3 bzw. der institutionelle Kontext des Aussageereignisses gewählt. Als dem Konstrukt der Bürgerlichen Islamkritik zugehörig gerechnet werden also unter der Voraussetzung, dass sie sich regelmäßig, vorwiegend oder ausschließlich mit dem Thema Islam, Muslime und Integration von Muslimen in Deutschland beschäftigen:

  1. Organisationen wie Vereine oder Interessengruppen, die über eine Rechtsform verfügen und/oder Mitglieder bzw. Teilnehmer auf regelmäßiger Basis aufweisen,
  2. Webseiten, Blogs, Internetforen und andere Arten virtueller Vereinigungen,
  3. Einzelpersonen, die sich öffentlich zum Thema Islam äußern, für dieses Aussageereignis aber keine Sprecherposition der Medien, der Politik oder eine der anderen Akteursgruppen besetzen.

Der erste Punkt ist selbsterklärend, lediglich bei Stiftungen muss differenziert werden, ob es sich um parteinahe Stiftungen handelt, die dann der Akteursgruppe/dem Diskurs Politik zugeschrieben werden.

Für das zweite Kriterium finden sich zunehmend Argumente, dass rein virtuelle Organisationsformen als zivilgesellschaftliche Bewegungen gelten können. Schon bei Habermas ist der Gedanke angelegt, dass bereits das Generieren von Öffentlichkeit als „die Sphäre der zum Publikum versammelten Privatleute“ 4 ein Gegengewicht zur Herrschaft des Staates und somit ein zivilgesellschaftlicher Akt ist. Auch Gerhards und Neidhardt 5 sehen in einer funktionierenden Öffentlichkeit ein notwendiges Merkmal demokratischer Systeme, da nur so Transparenz, Validierung und Orientierung für die Gesellschaftsmitglieder erzeugt werden können. Heute bezeichnen „Open Source Journalismus“ oder Bürgerjournalismus zivilgesellschaftliche Prozesse, die z. B. fehlende unabhängige Medien in Regimen durch Blogs und Foren ersetzen und so eine (politische) Gegenöffentlichkeit erzeugen. 6

Organisatorisch gesehen sprechen Anheier, Freise et al. von rein „im Internet angesiedelte[n] ‚virtuelle[n]‘ Gruppierungen“ 7 der internationalen Zivilgesellschaft. Clark entwickelt ein Modell virtueller Zivilgesellschaft in Form von dot-causes als „web-mediated associations to promote specific political interests” 8 mit technikbedingt steilen Wachstumskurven. „There can be a debate about whether dot-causes are real or virtual organizations, but what is certain is that they represent an explosion of energy in citizen organization, their numbers are rocketing, and they are transforming citizen action and social movements.“ 9 Rheingold weist allerdings darauf hin, dass von virtuellen Gruppen erst gesprochen werden kann, „wenn genug Leute diese öffentlichen Diskussionen lange genug führen und dabei ihre Gefühle einbringen, so dass im Cyberspace ein Geflecht persönlicher Beziehungen entsteht.“ 10

Bezüglich der Einzelpersonen ergeben sich die größten definitorischen Unsicherheiten, da ein und dieselbe Person Sprecherpositionen für verschiedene Akteursgruppen (Aussageproduzenten) bzw. in verschiedenen Diskursen besetzen kann. 11 Äußert sich also ein Journalist wie z. B. Henryk M. Broder im Spiegel, dann gehört dieses Aussageereignis zur Akteursgruppe Medien, da davon ausgegangen wird, dass dem Meinungsbild der jeweiligen Chefredaktion etc. entsprochen wird bzw. journalistische Standards der Neutralität gewahrt bleiben. Äußert sich der Journalist aber in einem Kontext außerhalb der Massenmedien, beispielsweise in einem eigenen Blog oder Buch, wird dies als Teil der bürgerlichen Islamkritik gewertet. 12 Analog kann dies auf Sprecher anderer Akteursgruppen bezogen werden: Erfolgen Äußerungen im Namen einer Institution, z. B. als Pressemitteilung oder Stellungnahme, sind sie dem jeweiligen Akteur zuzuschreiben. Aussageereignisse im privaten Rahmen oder außerhalb des professionellen Betriebes können hingegen als Teil der bürgerlichen Islamkritik verstanden werden. 13 Problematisch wird diese Abgrenzung vor allem bei Politik-Akteuren, da Äußerungen von Politikern wie z. B. Bücher sowohl als private Meinung als auch als Wahlprogramm verstanden werden können, insbesondere wenn der betreffende Politiker Mitglied einer entsprechenden zivilgesellschaftlichen Organisation ist. 14

4. Forschungsstand

Um nun die Bürgerliche Islamkritik im Diskursfeld Islam einordnen zu können, bedarf es zunächst einer breit angelegten Analyse aller Akteure und ihrer Diskurse im Diskursfeld. So können Diskurskoalitionen, Einflüsse, Gegenpositionierungen und Abgrenzungen herausgestellt werden. 15 Generell kann der umfangreiche Forschungsstand der letzten Jahre hier nur auszugsweise wiedergegeben werden.

4.1. Allgemeine Lage 16

Die Einstellungen in der deutschen Bevölkerung gegenüber dem Islam und muslimischen Migranten können als das Aktivierungs- und Vertretungs-Potenzial aller Akteure im Diskursfeld Islam verstanden werden, insbesondere jedoch in Bezug auf die Akteure der Bürgerlichen Islamkritik, die im Sinne von Habermas als „public interest groups“ 17 für den Transfer von Gesellschaftsinteressen zum Input in das administrativ-politische System verantwortlich sind.

Laut einer Aufsehen erregenden Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach im Mai 2006 meinen 61 Prozent der Deutschen, dass eine friedliche Koexistenz von Islam und Christentum nicht möglich ist, 58 Prozent sind der Überzeugung, dass es hier in Deutschland zu Spannungen mit den Muslimen kommen wird. Damit verschlechterte sich die Sicht auf den Islam in Deutschland im Vergleich zu den Umfragewerten von 2004 erheblich (Noelle/Petersen 2006).

Wissenschaftlich wird Islamophobie 18 in Deutschland vor allem im Rahmen des Forschungsprojektes zur „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ (GMF) 19 untersucht und dort definiert als „generelle ablehnende Einstellungen gegenüber muslimischen Personen und allen Glaubensrichtungen, Symbolen und religiösen Praktiken des Islams.“ 20 Seit 2002 werden verschiedene grundlegende Merkmale der Islamophobie abgefragt, vor allem in Hinblick auf die generelle Ablehnung und die kulturelle Abwertung des Islams. Hinzu kommen wechselnde Fragekomplexe, die der Erklärung islamophober Haltungen dienen sollen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass je islamophober eine Person eingeschätzt wird, desto älter, weniger gebildet, autoritärer, fremdenfeindlicher und ideologisch rechter ist sie und desto weniger weiß sie über den Islam. 21 Eine differenzierende Abfrage islamkritischer Haltungen ermöglicht dabei mittels einer Clusteranalyse die Unterteilung in vier Gruppen: islamophob (27,2%), pessimistisch-islamkritisch (34,8%), optimistisch-islamkritisch (19,2%) 22 und kulturrelativistisch (18,8%). Über die Mittelwerte zeigt sich dabei ein konsistentes Bild bei allen erfassten Korrelationen (s. o.), auch zu den anderen Dimensionen des GMF-Surveys. 23 Die Clusteranalyse lässt aber auch den augenscheinlichen Schluss zu, dass die Stärke der Vorurteile gegenüber Muslimen keinen nennenswerten Einfluss auf die islamkritischen Positionen der Befragten hat. 24

Betrachtet man weiterhin die Mittelwerte islamophober Haltungen, so erreichte die Zustimmung zu islamophoben Aussagen bei der Befragung 2006 bisher ihren Höhepunkt und sinkt seitdem beständig. 25 In ihrer ersten systematischen Analyse sprachen Leibold und Kühnel von Islamophobie als „eine[r] ‚Sonderform‘ der Fremdenfeindlichkeit“ 26, die „bisher keine besondere Ausprägung in Deutschland hat“ 27. Insofern könne ein „besonderes ‚Feindbild Islam‘, das aus unterschiedlichen Motiven zum Teil von bundesdeutschen Intellektuellen und zum Teil von islamischen bzw. islamistischen Gruppen beschworen wird, nicht bestätig[t]“ 28 werden. In Anbetracht dessen, dass die Islamophobie-Mittelwerte für 2009 sogar unter denen des ersten Erhebungsjahres 2002 liegen, 29 scheint sich diese Aussage zu bestätigen. Hatten Leibold und Kühnel anfänglich angenommen, „daß weniger Terroranschläge das Klima besonders verschärfen werden, sondern vielmehr ungelöste und unthematisierte (Alltags-)Konflikte im sozialen Nahraum“, 30 sprechen die gemessenen Werte eher dafür, dass vor allem die Mohammed-Karikaturen-Krise Ende 2005 bis Anfang 2006 sich in islamophoben Haltungen niederschlug. 31

4.2. Bürgerliche Islamkritik

Zur Bürgerlichen Islamkritik liegen bereits vereinzelte Ergebnisse aus Diskursanalysen vor. So stellen als islamophob 32 bezeichnete Weblogs bei Engelmann, Günther et al. fast die Hälfte aller in der Muslimosphäre 33 identifizierten Weblogs dar, ein Großteil davon wird als islamkritisch, aber nicht islamfeindlich eingeschätzt. 34 Islamophobe Blogs weisen im Untersuchungszeitraum fast viermal so viele Posts wie und erheblich mehr Blogteilnehmer (also Poster und Kommentatoren) als islamophile auf. 35 Die Forscher stellen bei den islamophoben Blogbetreibern neben 23 Einzelpersonen fünf nicht organisierte und zehn organisierte Personengruppen als Blogbetreiber fest. 36 Hier werden erste Ansätze des Untersuchungs-Konstrukts der organisierten Bürgerlichen Islamkritik sichtbar. Insgesamt bilden „die islamophoben Blogs ein hochgradig politisiertes ‚Bollwerk‘ gegen den Islam“, 37 wohingegen sich die islamophile Sphäre vorwiegend als heterogen auszeichnet.

Inhaltlich steht in den von Engelmann, Günther et al. erfassten Posts der islamophoben Blogs die Politik in Bezug auf den Islam, soziale Probleme von und mit Muslimen sowie die Islamkritik selbst im Vordergrund. Im Falle letzterer wird regelmäßig auf prominente Islamkritiker rekurriert 38 Generell beziehen sich knapp 85 Prozent der untersuchten islamophoben Post auf ein äußeres Ereignis, Quellen sind vorwiegend Printmedien und deren Online-Versionen. Häufigste Sekundärquellen 39 der islamophoben Blogs sind „PI-News“ und „Akte Islam“. 40 Die herausragende Stellung der beiden genannten Webseiten innerhalb der antiislamischen Webseiten wird durch Schiffer bestätigt, sie hält dies lediglich für „eine diskursive Verstärkung“ 41 des negativen Islambilds der Medien. Generell ist „der Content [islamkritischer Blogs] vor allem durch Islam und Muslime diffamierende Beiträge bestimmt […] und hochgradig diskriminierend“ 42, laut Schneiders werden von „solchen Laienvertretern der so genannten Islamkritik (ohne wissenschaftliche/theologische Ausbildung) […] Verallgemeinerungen getroffen, fragwürdige Vergleiche gezogen, Vorfälle aufgebauscht, kurz: Ängste geschürt.“ 43 Häusler bezeichnet die Anti-Moscheebau-Initiativen bzw. islamkritischen Bürgerbewegungen als Rechtspopulismus bzw. Rechtsradikalismus. 44

Hinter der häufigen gegenseitigen Bezugnahme und Zitation prominenter Islamkritiker vermutet Schneiders eine gezielte und wissenschaftlich zu beanstandende lobbyistische Strategie. Kermani 45 und Attia 46 kritisieren ferner, dass durch Islamkritiker häufig auszugsweise aus dem Koran zitiert wird, um Aussagen über den Islam zu belegen, ohne dabei historische oder textuelle Kontexte zu beachten.

4.3. Medien

Das in den Medien vermittelte Islam-Bild ist als besonders wichtig einzustufen, da Medien uns nicht nur „an Dingen teilnehmen[lassen], die wir nicht direkt erleben, sie strukturieren […] gleichzeitig die Wahrnehmung dieser Dinge, und zwar mit zunehmender Quantität“ 47. Demzufolge ist der „Einfluss auf andere Diskursebenen […] überragend“ 48 und vor allem islamkritische Blogs beziehen sich zu großen Teilen auf die Medienberichterstattung. 49 Laut Hafez 50 herrscht jedoch in den deutschsprachigen Medien „eine selektive Wahrnehmung negativer Ereignisse und Entwicklungen vor[…]“ und „[d]as Gesamt der Medienberichterstattung verkörpert eine Form der ‚aufgeklärten Islamophobie‘.“ 51 Es fehlt vor allem ein adäquater Informationskontext, der es dem Rezipienten ermöglicht, Phänomene wie religiösen Fundamentalismus etc. selbst einzuschätzen. Auch Siegfried Jäger stellt bei der Berichterstattung zur Mohammed-Karikaturen-Krise 2005/2006 neben dem seit den 1980er Jahren die Einwanderungsdebatte prägenden Rassismus „ein sehr gefährliches Wissen [… über d]as radikale, brutale, fanatische und bedrohliche ‚Außen‘, das in Schach gehalten werden müsse“ fest. 52 Generell werden seit dem 11. September 2001 „die schlechten Eigenschaften von Muslimen […] besonders betont.“ 53 Halm, Liakova et al. können sich hingegen nicht entscheiden, ob nun „keine Rede davon sein [kann], dass auf breiter Front anti-muslimische Stimmung erzeugt worden wäre“ oder ob sich „in der deutschen Öffentlichkeit durchaus ein (pauschaler) islamfeindlicher Diskurs etabliert.“ 54 Für Schiffer manifestiert sich das negative Islam-Bild in den Medien vor allem durch Mutmaßungen zu (vermeintlich) muslimischen Straftätern, durch die überdurchschnittlich prominente Platzierung von Berichten zu polizeilichen Moschee-Durchsuchungen etc., durch die Verwendung von Stereotypen und Metaphern sowie durch die bildliche und sprachliche Verknüpfung von Islam mit Terrorismus bzw. anderen Problemen: „Durch ihren Einsatz werden die rein emotionalen Komponenten gestärkt – eine Entwicklung also, die für demokratische Meinungsbildungsprozesse denkbar ungünstig ist.“ 55

Es finden sich aber auch gänzlich gegensätzliche Beschreibungen des journalistischen Umgangs mit dem Thema Islam. Seidel hält die starke Lobbyarbeit der islamischen Verbände fest, insbesondere wenn Journalisten „über die Aktivitäten von Organisationen des politischen Islam berichten.“ 56 Dies geht von freundlichen Ermahnungen über geforderte Gegendarstellungen bis hin zu konkreten Drohungen und rechtlichen Klagewellen, was „sich zu einem System der Einschüchterung verdichtet“ 57 hat.

4.4. Politik

Die Politik befindet sich als Vertreter des liberalen Staates in einem generellen Interessenkonflikt mit Religionsgemeinschaften, die nicht nur einen transzendentalen, sondern auch sozialen und gesellschaftlichen Alleingeltungsanspruch erheben. 58 So haben die Ereignisse der letzten Jahre dazu geführt, dass die Politik auch im Diskursfeld Islam vermehrt eine eigene Stellung bezieht. Halm, Liakova et al. zeigen, dass in den Parlamentsdebatten des Deutschen Bundestags nach dem 11. September 2001 mehr als doppelt so oft wie im Jahr vor den Anschlägen über den Themenkomplex Islam und Einwanderung diskutiert wurde. Bei den konkreten Äußerungen zum Islam nahmen alle islamkritischen Item-Gruppierungen zu, insbesondere die Thematisierung von Gefahr.

Auch an neu eingerichteten Institutionen wie der Deutschen Islam Konferenz (DIK) oder dem Integrationsgipfel im Kanzleramt sowie an der gestiegenen Zahl von Publikationen zum Thema Islam und Islamismus durch die zuständigen Ministerien 59 lässt sich ein erhöhtes Interesse der Politik feststellen, eigene Standpunkte im Diskursfeld durchsetzen zu können.

4.5. Kirchen

Bei den kirchlichen Akteuren spielt der interreligiöse Dialog für diese Untersuchung keine ausschlaggebende Rolle, 60 zumal dabei auf Druck der islamischen Verbände kritische Themen zunehmend ausgeklammert werden. 61 Generell positionieren sich Kirchenvertreter kritisch bis offen gegenüber dem Islam. Teilweise wird versucht, die Einforderung von Sonderrechten durch Muslime zu unterstützen, um die eigenen Positionen im gesellschaftlichen System wieder zu stärken. Ob das von Teilen der Islamkritiker bemühte Konstrukt eines (jüdisch-)christlichen Abendlandes durch Kirchenvertreter oder vorwiegend außerhalb der Kirchen produziert wird, ist in der Diskursanalyse noch zu untersuchen.

4.6. Einzelne muslimische Denkrichtungen

Eine thematische Fokussierung auf den Islam ist in privaten Weblogs von Muslimen nicht festzustellen. 62 Die untersuchten Posts sind größtenteils unpolitisch, bei mehr als der Hälfte spielen äußere Ereignisse keine Rolle. Stattdessen stehen persönliche Interessen im Vordergrund, die Thematisierung des Islams erfolgt eher als „Auseinandersetzung mit der eigenen Religion und der Stellung im Alltag des Posters.“ 63 Aufgrund eines niedrigen Vernetzungs- bzw. Verlinkungs-Grades ist jedoch auch von einem geringen Einfluss auf andere Akteure im Diskursfeld Islam auszugehen. Der Einfluss einzelner (populärwissenschaftlicher Buch-) Autoren mit muslimischem Hintergrund 64 wie Seyran Ates oder Necla Kelek auf die Bürgerliche Islamkritik und andere Akteursgruppen im Diskursfeld ist hingegen nicht zu unterschätzen, wie die häufige Bezugnahme nahelegt.

Umfangreiche politische und gesellschaftliche Positionierungen von Angehörigen muslimischer Eliten finden sich auch bei Klausen. 65 Hier werden neben dem allgemeinen Wunsch säkularer, politischer Teilhabe, ähnlich wie bei den islamischen Verbänden (s. u.), vor allem religiöse Begründungen für erwünschte Sonderrechte deutlich.

4.7. Islamische Verbände

Halm, Liakova et al. sehen die muslimischen Verbände durch die öffentlichen Debatten gezwungen, „Probleme zu thematisieren, die die Aufnahmegesellschaft definiert.“ 66 Sie sind ferner aus diskursanalytischer Sicht aufgrund geringerer Professionsgrade im Nachteil gegenüber den Akteuren der Aufnahmegesellschaft. 67 Auf der anderen Seite konstruieren sie nur allzu gerne eine „durchaus profitable Opferrolle“ 68 und wehren mit dem Kampfbegriff der Islamophobie jegliche Kritik am Islam ab. 69 Auch Inan hat anhand der Webseiten der islamischen Verbände nachgewiesen, dass diese anderen Akteuren ihre Qualifikation absprechen, zum Islam überhaupt Stellung beziehen zu können, um so Deutungshoheit im Diskursfeld zu erlangen. Dafür wird bei allen Konfliktbereichen mit einer Begründungsstrategie religiöser Notwendigkeit argumentiert. 70

4.8. Antisemitismusforschung

Auf die Antisemitismusforschung 71 wird hier gesondert, aber nur unter Vorbehalt als einzelnen Diskurs/einzelne Akteursgruppe eingegangen. Ihre Sonderstellung ergibt sich daraus, dass ihre Akteure es sich zur Aufgabe gemacht haben, die (vermeintliche) Diskriminierung von Muslimen in Deutschland mit den Methoden der Vorurteils- bzw. Rassismusforschung zu untersuchen. Häufig gezogene Vergleiche zum Rassismus und der Judenbehandlung im Dritten Reich sowie zur Fremdenfeindlichkeit in den 1990er Jahren finden sich etwa bei mittlerweile bei zahlreichen Autoren. 72 Interessant sind die hier geäußerten Vorwürfe jedoch vor allem, weil sich aus ihnen konkrete Raster für die diskursanalytische Untersuchung der Bürgerlichen Islamkritik hinsichtlich ihrer tatsächlich rassistisch-xenophoben Einstellungen erarbeiten lassen.

4.9. Zusammenfassung des Forschungsstandes und festgestellte Forschungslücken

Insgesamt zeigt der Forschungsstand ein unterschiedlich gut ausgeleuchtetes Bild des Diskursfeldes Islam. Wie erwartet, ist insbesondere der Bereich, der hier zusammenfassend als Bürgerliche Islamkritik betrachtet wird, bisher nur durch einige quantitative Untersuchungen definiert. So werden in islamkritischen Webangeboten hauptsächlich Themen aus den Mainstream-Medien sowie äußere Ereignisse aufgegriffen und kommentiert. Großen Einfluss innerhalb dieser Sphäre haben die Webseiten „PI-News“ und „Akte Islam“, es ist jedoch aufgrund der lediglich quantitativen Auswertung nicht feststellbar, ob nur Ereignisse oder auch Haltungen und Meinungen der Sekundärquellen durch andere Akteure der Bürgerlichen Islamkritik verbreitet werden. Hier sind aus sozialwissenschaftlicher Perspektive weitere Erkenntnisse gefordert, auch um Argumentationsstrukturen herausarbeiten und mögliche Ideologisierungen feststellen zu können. Gibt es also beispielsweise auf dem Informationsweg von den Medien über „PI-News“ bzw. „Akte Islam“ zu anderen Webseiten/Akteuren eine Übernahme ideologischer Einschätzungen oder werden regelmäßig auch andere Quellen zur Meinungsbildung kontaktiert?

Die Einschätzung von rund zwei Dritteln der islamophoben Blogs als islamkritisch (und nicht islamfeindlich) bestätigt die für diese Arbeit angenommene politisch-ideologische Spektrenbreite der Bürgerlichen Islamkritik hinsichtlich Meinung, Haltung etc. ebenso wie die hohe relative Häufigkeit der gemäßigten Antworten im Islamophobie-Konstrukt von Leibold und Kühnel. 73 „PI-News“ hat zwar eine starke Sprecherposition im Diskurs der Bürgerlichen Islamkritik inne, ist jedoch keinesfalls repräsentativ für alle Akteure, wie etwa Schiffer oder Sokolowsky es behaupten.

5. Forschungs-Hypothesen

Somit lassen sich aus dem bisherigen Forschungsstand und den darin identifizierten Forschungslücken folgende Hypothesen zu den drei eingangs gestellten Hauptfragen formulieren:

  1. Es gibt in Deutschland eine im diskursanalytischen Sinne stabilisierte Bürgerliche Islamkritik, die sich trotz innerer Verschiedenheiten in einem Konstrukt zusammenfassen lässt.

    Bestätigung oder Ablehnung dieser Hypothese erfolgen einerseits quantitativ über die Messung der Akteure der Bürgerlichen Islamkritik und ihrer Aktivität, andererseits qualitativ über die Auswertung der bezogenen Positionen (siehe auch Hypothese 3).

  2. Die Akteure der Bürgerlichen Islamkritik weisen ein breites politisches Spektrum auf und vertreten verschiedene Weltansichten.

    Dies wird unter anderem über das konstruierte Selbst-, Fremd- und Feindbild abgefragt sowie über ein generelles Menschen- und Gesellschaftsverständnis. Ferner werden die Argumentationsweisen auf Sachlichkeit und Ideologisierungen überprüft. Zu klären ist dabei, ob es sich um neue Formen alter Ressentiments oder im Gegensatz um eine neue gesellschaftliche Konfliktlinie handelt.

  3. Die Akteure der Bürgerlichen Islamkritik verstehen sich selbst als demokratische Korrektur- und/oder Ergänzungsfunktion im Sinne eines zivilgesellschaftlichen Substitutionsprinzips gegenüber der Politik und den Medien.

    Hierfür sind im Diskurs sichtbare Verantwortungszuschreibungen und Lösungsvorschläge ausschlaggebend, ebenso wie die funktionale Selbstbeschreibung der Akteure.

  4. Innerhalb der Bürgerlichen Islamkritik finden sich verschiedene Organisationsgrade, die z. T. ein erhebliches politisches Mobilisierungspotenzial aufweisen.

    Zu überprüfen sind hier der Einfluss auf andere Akteure und Akteursgruppen/Diskurse sowie die Fähigkeit, eigene Deutungen im Diskurs und Diskursfeld durchzusetzen.

Notes:

  1. Hier als politische Kategorie im Sinne aktiver Teilhabe am Gemeinwesen gedacht (und nicht etwa als sittliche Kategorie wie bei Hegel).
  2. Angesichts der Studien von Leibold/Kühnel (2003, 2006, 2008) wird davon ausgegangen, dass der Anteil ablehnender Haltungen gegenüber dem Islam bzw. den Muslimen in der deutschen Bevölkerung so groß ist, dass er gesondert untersucht werden kann. Außerdem scheint eine starke strukturelle Trennung zwischen islamkritischen und islambefürwortenden Akteuren im Internet vorzuliegen (vgl. Engelmann, Kerstin; Günther, Friederike; Heise, Nele; Hohmann, Florian; Irrgang, Ulrike; Schmidt, Sabrina (2010): Muslimische Weblogs. Der Islam im deutschsprachigen Internet. Berlin: Frank & Timme), weswegen für die vorliegende Arbeit auf die Darstellung „bürgerlicher Islambefürworter“ verzichtet wird. Der Begriff einer zivilgesellschaftlichen Islamkritik wird nicht gewählt, weil er als zu dehnbar erscheint. Der Zivilgesellschafts-Begriff wurde zudem in letzter Zeit sehr normativ aufgeladen diskutiert (vgl. Bauerkämper et al. 2006) und erfasst populistische Bewegungen nicht.
  3. Institutionen sind „im Sinne des interpretativen Paradigmas der Soziologie als umstrittene, vorübergehend kristallisierte symbolische Strukturen der Ordnung“ (Keller 2008: 11) zu begreifen. Deswegen wird auch das Konstrukt der Bürgerlichen Islamkritik hier als Institution aufgefasst.
  4. Habermas, Jürgen (1990): Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Univ., Habil.-Schr.-Marburg, 1961. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 86
  5. Gerhards, Jürgen; Neidhardt, Friedhelm (1990): Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit. Fragestellungen und Ansätze. Berlin
  6. vgl. Randow, Gero von (2006): Internet: Die Eine-Milliarde-Dollar-Frage. Wird der klassische Autor im Internet durch Schreibkollektive ersetzt. In: Die Zeit, Ausgabe 31/2006, erschienen am 13.11.2006. Online verfügbar unter http://www.zeit.de/2006/31/Internet, zuletzt geprüft am 24.02.2010, Thimm, Caja; Berlinecke, Sandra (2007): Mehr Öffentlichkeit für unterdrückte Themen. Chancen und Grenzen von Weblogs. In: Pöttker, Horst; Schulzki-Haddouti, Christiane (Hg.): Vergessen? Verschwiegen? Verdrängt. 10 Jahre “Initiative Nachrichtenaufklärung”. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 81–101)
  7. Anheier, Helmut K.; Freise, Matthias; Themudo, Nuno (2005): Entwicklungslinien der internationalen Zivilgesellschaft. In: Birkhölzer, Karl; Klein, Ansgar; Priller, Eckhard; Zimmer, Annette (Hg.): Dritter Sektor – drittes System. Theorie, Funktionswandel und zivilgesellschaftliche Perspektiven. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwissenschaften, S. 18
  8. Clark, John (2003): Words Apart. Civil Society and the Battle for Ethical Globalization. London: Earthscan Publictions Ltd., S. 93
  9. ebd.: 154
  10. Rheingold, Howard (1994): Virtuelle Gemeinschaft. Soziale Beziehungen im Zeitalter des Computers. 1. Aufl. Bonn: Addison-Wesley, S. 84
  11. Es handelt sich also beim hier gewählten Konstrukt weniger um die staats- und wissenschaftszentrierten Epistemic Communities im Sinne von Haas (1992, zitiert nach Nullmeier 2006: 297f.), sondern eher um eine Modifikation des Gegenentwurfs Sabatiers (1993, zitiert nach Nullmeier 2006: 299), der von Advocacy Coalitions spricht, also von Überzeugungskoalitionen, die sich „quer zur Unterscheidung zwischen öffentlichen bzw. staatlichen Institutionen einerseits, privaten Organisationen und Akteuren des politischen Vermittlungssektors“ (Nullmeier 2006: 299) andererseits bilden. Relevant ist dann der jeweilige Aussageereignis-Kontext.
  12. Um die Validität dieser Unterscheidung zu überprüfen, wird in der geplanten Arbeit bei einigen Einzelpersonen ein Vergleich zwischen ihren Äußerungen als Medienakteur und als Akteur der Bürgerlichen Islamkritik gezogen (z. B. zwischen Broders Blog und seinen Artikeln im Spiegel).
  13. Natürlich äußern sich Akteure der Bürgerlichen Islamkritik (z. B. als Vereinssprecher) auch in den Medien, sie dürften dann aber nur zitiert o. ä. werden, denn Medien folgen dem Prinzip „vermittelnder Fremddarstellung“ (Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (2009): Journalismus – neu vermessen. Die Grundgesamtheit journalistischer Internetangebote – Methode und Ergebnisse. In: Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (Hg.): Journalismus im Internet. Profession – Partizipation – Technisierung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 201)
  14. Beispielsweise der ehemalige CDU-Abgeordnete im Berliner Landtag, René Stadtkewitz, der gleichzeitig im Vorstand des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der Bürgerbewegung Pax Europa ist.
  15. Inwieweit die wissenschaftliche Forschung zum Thema Islam im Diskursfeld eine Rolle spielt und durch die anderen Akteure rezipiert wird, muss erst durch die Diskursanalyse erfasst werden. Auf eine Beschreibung des sehr umfangreichen wissenschaftlichen Islamdiskurses wird hier deswegen zunächst verzichtet.
  16. Zum Thema der hier behandelten Umfragen und Studien über die angebliche Islamophobie der Deutschen siehe auch den Beitrag: „Mythos Islamophobie“ hier bei Citizen Times.
  17. Habermas, Jürgen (1998): Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 430f.
  18. Der Begriff der Islamophobie wird von verschiedenen Akteuren immer wieder angezweifelt (vgl. Institut für Islamfragen (2009): Unterscheidung zwischen Islamkritik und Fremdenfeindlichkeit notwendig. Pressemitteilung vom 26.10.2009. Bonn. Online verfügbar unter http://www.islaminstitut.de/Vollanzeige-Pressemitteilung.54+M5322cdf1ac7.0.html, zuletzt geprüft am 11.04.2010, Struening, Felix (2010): Vom Mythos der Islamophobie. Wie stehen die Deutschen wirklich zum Islam? In: Krauss, Hartmut (Hg.): Feindbild Islamkritik. Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung überschritten werden. Osnabrück: Hintergrund Verlag, S. 177-198), aber für die Wiedergabe der Forschungsergebnisse hier zunächst verwendet, ohne seine diskursive Funktion näher zu beleuchten.
  19. Erfasst wird Islamophobie zusammen mit sechs anderen Phänomenen der Ungleichheit von Menschen im jährlichen GMF Survey: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Heterophobie, Etabliertenvorrechte und Sexismus. Beim Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit handelt es sich um ein Konstrukt, „d. h., daß die einzelnen Elemente nicht unabhängig voneinander sind.“ (Heitmeyer, Wilhelm (2003): Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Die theoretische Konzeption und empirische Ergebnisse aus 2002 sowie 2003. In: Heitmeyer, Wilhelm (Hg.): Deutsche Zustände. Folge 2. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 18) So ergeben sich auch durchweg positive Zusammenhänge bei den Faktorenkorrelationen zwischen den erfassten Elementen, Islamophobie korreliert am stärksten mit Fremdenfeindlichkeit (ebd.: 19).
  20. Leibold/Kühnel 2003: 101
  21. Leibold/Kühnel 2008: 107, vgl. Leibold/Kühnel 2003, 2006; Leibold, Jürgen; Kühnel, Steffen; Heitmeyer, Wilhelm (2006): Abschottung von Muslimen durch generalisierte Islamkritik. In: Bundeszentrale politische für Bildung (Hg.): Parallelgesellschaften. Bonn (Aus Politik und Zeitgeschichte, 1-2), Online verfügbar unter http://www.bpb.de/files/AQ6PWB.pdf, zuletzt geprüft am 19.03.2010, S. 3–10.
  22. Pessimistisch-islamkritische Befragte stimmen der Kritik am Islam eher zu und nehmen ein erhebliches Maß an kultureller Distanz zum Islam wahr. Optimistisch-islamkritische Befragte sind ähnlich islamkritisch, unterscheiden sich aber in der wesentlich geringer wahrgenommenen kulturellen Distanz (Leibold/Kühnel 2008: 104).
  23. Kühnel, Steffen; Leibold, Jürgen (2007): Islamophobie in der deutschen Bevölkerung: Ein neues Phänomen oder nur ein neuer Name. Ergebnisse von Bevölkerungsumfragen zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit 2003 bis 2005. In: Wohlrab-Sahr, Monika; Tezcan, Levent (Hg.): Konfliktfeld Islam in Europa. 1. Aufl. Baden-Baden: Nomos-Verl.-Ges (Soziale Welt Sonderband, 17), S. 135–154, Leibold/Kühnel 2008
  24. vgl. Struening 2010
  25. Heitmeyer, Wilhelm (2010): Krisen – Gesellschaftliche Auswirkungen, individuelle Verarbeitungen und Folgen für die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. In: Heitmeyer, Wilhelm (Hg.): Deutsche Zustände. Folge 8. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 13–46
  26. Leibold/Kühnel 2003: 114
  27. ebd.: 113
  28. ebd.; vgl. auch Halm 2008: 111
  29. Heitmeyer 2010: 39
  30. Leibold/Kühnel 2002: 114
  31. Bestätigt wird dies durch Wohlrab-Sahr: Die Ergebnisse sprechen „dafür, dass auch die Positionierungen zur Frage des Moscheebaus weniger mit persönlichen Erfahrungen, mehr dagegen mit grundlegenden Haltungen und Befürchtungen gegenüber Migranten […] zu tun haben.“ (Wohlrab-Sahr, Monika (2007): Die Sinnstruktur von Weltsichten und die Haltung gegenüber muslimischen Migranten. In: Wohlrab-Sahr, Monika; Tezcan, Levent (Hg.): Konfliktfeld Islam in Europa. Baden-Baden: Nomos-Verl.-Ges (Soziale Welt Sonderband, 17), S. 166)
  32. In der Studie wurden die Weblogs auf einer fünfstufigen Skala (islamfeindlich – islamkritisch – neutral – islamfreundlich – islamistisch) verortet. Die islamfeindlichen/islamkritischen und die islamfreundlichen/islamistischen Weblogs stellen zwei strukturell getrennte Sphären (ohne Verlinkung) dar. Deswegen sprechen die Autoren von einer islamophoben und einer islamophilen Sphäre (Engelmann/Günther et al. 2010: 121f.).
  33. Webpräsenzen, die sich mit dem Themen Islam, Muslime oder Koran auseinandersetzen, zur genauen Ermittlung siehe Engelmann/Günther et al. (2010: 104ff.).
  34. Bei Schiffer findet sich hingegen eine Zusammenstellung „antiislamischer Websites“ (2009: 341), auf der 75 Internetadressen aufgeführt werden. Allerdings macht die Forscherin keinerlei Angaben zur Methodik der Erfassung und nicht alle der Webseiten sind der Bürgerlichen Islamkritik zuzuschreiben.
  35. Engelmann/Günther et al. 2010: 123f.
  36. Leider liegt keine Erklärung vor, ob es sich dabei um Vereine oder ähnliches handelt. Einschränkend ist außerdem zu erwähnen, dass bei 38, also der Hälfte der untersuchten islamophoben Blogs kein Betreibertyp ermittelt werden konnte.
  37. ebd.: 121
  38. ebd.: 131. Genannt werden hier: Ayaan Hirsi Ali, Geert Wilders, Udo Ulfkotte, Stefan Herre sowie der Zentralrat der Muslime [d. h. insbesondere Mina Ahadi, d.A.] (Engelmann/Günther et al. 2010: 131). Schneiders nennt im ähnlichen Zusammenhang auch noch Henryk M. Broder, Ralph Giordano, Necla Kelek und Alice Schwarzer (Schneiders, Thorsten Gerald (2009): Die Schattenseite der Islamkritik. Darlegung und Analyse der Argumentationsstrategien von Henryk M. Broder, Ralph Giordano, Necla Kelek, Alice Schwarzer und anderen. In: Schneiders, Thorsten Gerald (Hg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 403), Rommelspacher fügt dem Seyran Ates hinzu (Rommelspacher, Birgit (2009): Islamkritik und antimuslimische Positionen. Am Beispiel von Necla Kelek und Seyran Ates. In: Schneiders, Thorsten Gerald (Hg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 433), Riexinger verweist außerdem auf Hans-Peter Raddatz (Riexinger, Martin (2009): Hans-Peter Raddatz. Islamkritiker und Geistesverwandter des Islamismus. In: Schneiders, Thorsten Gerald (Hg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 457f.).
  39. Primärquellen sind verlinkte oder erwähnte Quellen, Sekundärquellen sind Angebote, die Primärquellen aufarbeiten/kommentieren (Engelmann/Günther et al. 2010: 134, Fn. 59).
  40. ebd.: 135
  41. Schiffer, Sabine (2009): Grenzenloser Hass im Internet. Wie “islamkritische” Aktivisten in Weblogs argumentieren. In: Schneiders, Thorsten Gerald (Hg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 346
  42. ebd.: 344. Generell erscheint die Forschungsperspektive von Schiffer sehr voreingenommen. Sie analysiert ausschließlich aus der Perspektive der Rassismusforschung und zieht dabei immer wieder Vergleiche, die jeglicher Wissenschaftlichkeit entbehren bzw. lediglich suggestiven Charakter aufweisen.
  43. ebd. 2009: 404
  44. Häusler, Alexander (Hg.) (2008): Rechtspopulismus als “Bürgerbewegung”. Kampagnen gegen Islam und Moscheebau und kommunale Gegenstrategien. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  45. Kermani, Navid (2009): “Und tötet sie, wo immer ihr sie findet.”. Zur Missachtung des textuellen und historischen Kontexts bei der Verwendung von Koranzitaten. In: Schneiders, Thorsten Gerald (Hg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 201–208.
  46. Attia, Iman (2009): Die “westliche Kultur” und ihr Anderes. Zur Dekonstruktion von Orientalismus und antimuslimischem Rassismus. Bielefeld: Transcript.
  47. Schiffer, Sabine (2005): Der Islam in deutschen Medien. In: Bundeszentrale politische für Bildung (Hg.): Muslime in Europa. Bonn (Aus Politik und Zeitgeschichte, 20), Online verfügbar unter http://www.bpb.de/files/UUJUJ0.pdf, zuletzt geprüft am 19.03.2010, S. 23
  48. Jäger, Siegfried (2009): Pressefreiheit und Rassismus. Der Karikaturenstreit in der deutschen Presse. Ergebnisse einer Diskursanalyse. In: Schneiders, Thorsten Gerald (Hg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 306
  49. Engelmann/Günther 2010
  50. Hafez, Kai (2009): Mediengesellschaft – Wissensgesellschaft. Gesellschaftliche Entstehungsbedingungen des Islambildes deutscher Medien. In: Schneiders, Thorsten Gerald (Hg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 99–118
  51. ebd.: 100
  52. ebd. 2009: 308. Anzumerken ist jedoch, dass Jäger sich bei der Diskursanalyse nicht auf Beschreibungen beschränkt, sondern von Anfang an Stellung bezieht, indem er Aussagen in Medien als richtig oder falsch bezeichnet. Bei diesen Aussagen handelt es sich aber um politische Deutungen, deren Wahrheitsgehalt der Interpretation des Beobachters unterliegt, so z. B.: Der Karikaturenstreit „ist von der ‚rechts‘-lastigen dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten bewusst provoziert worden, die mit der Veröffentlichung dieser rassistischen Machwerke die massive Ausländer diskriminierende Politik der dänischen Regierung und den Einfluss der ‚rechts‘-populistischen Volkspartei […] unterstützen wollte.“ (2009: 307, Hervorhebungen im Original) Jäger nutzt damit seine Position im (Meta-)Diskurs über den Diskurs zur Machtgewinnung bzw. Durchsetzung seiner Deutung unwissenschaftlich aus (vgl. etwa Keller 2007).
  53. Jäger, Siegfried; Halm, Dirk (2007): Medienberichterstattung als Integrationshemmnis. Eine Einleitung. In: Jäger, Siegfried; Halm, Dirk (Hg.): Mediale Barrieren. Rassismus als Integrationshindernis. Münster: Unrast-Verl., S. 5
  54. Halm, Dirk; Liakova, Marina; Yetik, Zeliha (2007): Pauschale Islamfeindlichkeit. Zur Wahrnehmung des Islams und zur sozio-kulturellen Teilhabe der Muslime in Deutschland. In: Jäger, Siegfried; Halm, Dirk (Hg.): Mediale Barrieren. Rassismus als Integrationshindernis. Münster: Unrast-Verl., S. 11
  55. Schiffer, Sabine (2007): Die Verfertigung des Islambildes in deutschen Medien. In: Jäger, Siegfried; Halm, Dirk (Hg.): Mediale Barrieren. Rassismus als Integrationshindernis. 1. Aufl. Münster: Unrast-Verl., S. 178
  56. ebd. 2003: 269
  57. ebd.: 270
  58. Fischer, Karsten (2009): Die Zukunft einer Provokation. Religion im liberalen Staat. Berlin: Berlin Univ. Press.
  59. vgl. Brettfeld, Katrin; Wetzels, Peter (2007): Muslime in Deutschland. Integration, Integrationsbarrieren, Religion sowie Einstellungen zu Demokratie, Rechtsstaat und politisch-religiös motivierter Gewalt; Ergebnisse von Befragungen im Rahmen einer multizentrischen Studie in städtischen Lebensräumen. Hamburg, Bundesministerium des Inneren (Hg.) (2003): Islamismus. Texte zur Inneren Sicherheit. Bonn, Haug, Sonja; Müssig, Stephanie; Stichs, Anja (2009): Muslimisches Leben in Deutschland. Im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz. Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
  60. vgl. Halm 2008
  61. vgl. Seidel 2003
  62. Engelmann/Günther et al. 2010
  63. ebd.: 134
  64. Bei Akteuren mit muslimischem Hintergrund bzw. islamischer Herkunft fällt die Zuordnung oft schwer, da nicht immer offensichtlich wird, ob derjenige sich vom Glauben abgewandt hat (und damit der Bürgerlichen Islamkritik zuzuordnen ist) oder nicht. Hierfür muss in der geplanten Studie ggf. nach Glaubensbekenntnissen und anderen Hinweisen gesucht werden.
  65. Klausen, Jytte (2006): Europas muslimische Eliten. Wer sie sind und was sie wollen. Frankfurt/Main: Campus-Verlag
  66. ebd. 2007: 12
  67. Halm 2008
  68. Seidel 2003: 265
  69. vgl. Halm 2008: 111, Leibold/Kühnel 2003: 113, Struening 2010
  70. Inan, Alev (2007): Islam goes Internet. Websites islamischer Organisationen im World Wide Web. Zugl.: Passau, Univ., Diss., 2007. Marburg: Tectum-Verl.
  71. Hier wird verallgemeinernd von Antisemitismusforschung gesprochen, allerdings beziehen weder alle Antisemitismusforscher Stellung im Diskursfeld Islam noch sind alle damit gemeinten Akteure Forscher im wissenschaftlichen Sinne.
  72. vgl. Benz (2009), Bunzl, John; Senfft, Alexandra (Hg.) (2008): Zwischen Antisemitismus und Islamophobie. Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost. Hamburg: VSA-Verlag, Sokolowsky, Kay (2009): Feindbild Moslem. 1. Aufl. Berlin: Rotbuch-Verlag, Miksch, Jürgen (2009): Antimuslimischer Rassismus. KonfliKte als Chance. Frankfurt am Main: Lembeck, Schiffer, Sabine; Wagner, Constantin (Hg.) (2009): Antisemitismus und Islamophobie. Ein Vergleich. Wassertrüdingen: HWK-Verlag
  73. Auch im internationalen Vergleich sind die Deutschen ähnlich islamophob wie andere Länder (vgl. Zick, Andreas; Küpper, Beate (2009): Meinungen zum Islam und Muslimen in Deutschland und Europa. Ausgewählte Ergebnisse der Umfrage Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Europe (GFE-Europe). Bielefeld. Online verfügbar unter http://www.uni-bielefeld.de/ikg/zick/Islam_GFE_zick.pdf, zuletzt geprüft am 19.04.2010) und sogar weniger islamfeindlich als der Rest Europas, wenn man die Zahl der Angriffe auf Moscheen und den öffentlichen Diskurs auswertet (Seidel 2003: 266).

Seiten: 1 2

One Comment »

Leave A Response »