Arbeiterkind.de – Hilfe auf dem Weg zum Akademiker

8. Oktober 2010 0

Fünf Fragen beantworten zivilgesellschaftliche und bürgerliche Initiativen bei der Citizen Times und können so auf ihre Anliegen und Projekte aufmerksam machen. Heute sprechen wir mit Katja Urbatsch von Arbeiterkind.de:

Was ist Arbeiterkind.de und wie kam es zu der Gründung?

ArbeiterKind.de ist ein Internetportal und ein Mentorenprogramm, das Schüler und Studenten, die als erste Generation in ihrer Familie die Chance haben zu studieren, vom Studieneinstieg bis zum erfolgreichen Studienabschluss unterstützen möchte. Gemeinsam mit meinem Bruder bin ich ebenfalls die Erste Akademikerin in meiner Familie und daher kenne ich die Probleme und Hürden auf diesem Weg. Viele Informationen haben mir gefehlt oder ich hätte mir an vielen Stellen mehr Unterstützung gewünscht, die meine Kommilitonen aus akademischen Familien von Ihren Eltern und Verwandten erhalten haben. So habe ich zum Beispiel zu spät erfahren, dass es Stipendien gibt und auch beim Verfassen des Motivationsschreibens fürs Auslandsstudium konnte mir niemand helfen. Also kam ich am Ende meines Studiums auf die Idee, dass ich all die Informationen, die ich nun gesammelt habe für die nachkommende Generation auf eine Internetseite stellen und verbreiten sollte.

Wer steht dahinter?

Die Idee stammt von mir, aber zur Umsetzung habe ich mir natürlich weiter MitstreiterInnen gesucht. Angefangen haben wir zu fünft, mit meinem Bruder, meinem Freund und zwei Kolleginnen aus dem Gießener Graduiertenzentrum, an dem ich meine Doktorarbeit schreibe. Inzwischen haben wir bundesweit 1500 ehrenamtliche MentorInnen an 70 Standorten – vom Studenten bis zum Rentner.

An wen wenden Sie sich?

Wir wenden uns an Schüler und Studierende aus nicht-akademischen Familien. Dazu zählen natürlich auch Menschen mit Migrationshintergrund. Und natürlich unterstützen wir auch gerne Eltern, die sich bei uns melden. Um auf unsere Hilfestellstung aufmerksam zu machen, führen wir in Schulen und Hochschulen Informationsveranstaltungen und –stände durch. Außerdem haben wir an vielen Standorten monatliche Stammtische und man kann uns auch online per Mail oder in unserem eigenen Sozialen Netzwerk kontaktieren.

Was sind Ihre Ziele?

Mein Ziel ist, dass in Deutschland kein Nicht-Akademikerkind trotz geeigneter Qualifikation aufgrund seiner Herkunft eine geringere Chance auf ein Studium hat. Daher möchte ich erreichen, dass flächendeckend in ganz Deutschland jeder die Informationen und Unterstützung erhält, die er benötigt, um seinen individuellen Bildungsweg erfolgreich zu gehen. Es ist mir ein besonderes Anliegen, dass wir auch noch mehr in ländlicheren Gegenden aktiv werden, wo die nächste Hochschule häufig außerhalb der Sicht liegt.

Was bedeutet es für Sie, ein Bürger unserer Gesellschaft zu sein?

Ein Bürger zu sein, bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen und mich aktiv an der Gestaltung unserer Gesellschaft zu beteiligen.

Katja Urbatsch promoviert zurzeit als Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Justus-Liebig-Universität Gießen. Das Magisterstudium Nordamerikastudien, Betriebswirtschaftslehre und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft hat sie an der Freien Universität Berlin absolviert. Als erste Akademikerin in ihrer Familie ist sie mit den Problemen von Kindern aus hochschulfernen Familien vertraut und hat daher die Initiative ArbeiterKind.de gegründet. Als „Ashoka Fellow 2009“ wurde sie in ein weltweites Netzwerk von Social Entrepreneurs aufgenommen, dem auch Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus angehört.

Leave A Response »