Buchauszug: Mythos Islamophobie

25. September 2010 9

Wie stehen die Deutschen wirklich zum Islam?

… Fortsetzung und Fazit der Analyse der GMF-Studien zur Frage, ob Islamophobie durch die Umfrageergebnisse erfasst wird und existiert

3. Fazit

In diesem Artikel wurde überprüft, ob die notwendigen Bedingungen für Islamophobie in den einschlägigen Studien überhaupt abgefragt und ob sie durch einen nennenswerten Teil der deutschen Bevölkerung erfüllt werden. Die Frage war also, ob es Islamophobie überhaupt gib. Daher lohnt es sich, die Erkenntnisse der GMF-Islamophobie-Forschung nochmals thesenartig zusammenzufassen:

  1. Der Großteil der Deutschen lehnt den Islam bzw. Muslime nicht generell ab. Die größte Ablehnung wurde 2006 gemessen, mittlerweile liegen die Werte sogar unter denen der ersten Erhebung.
  2. Islamophobie ist nicht gleichzusetzen mit Fremdenfeindlichkeit, beide GMF-Phänomene entwickeln sich unabhängig voneinander.
  3. Nicht die Muslime als Menschen, sondern der Islam als System wird abgelehnt. Kritik richtet sich vorwiegend gegen die ideologischen Dimensionen.
  4. Je älter, ideologisch rechter und ungebildeter eine Person ist, desto mehr lehnt sie den Islam ab. Keinen Einfluss hat aber die wahrgenommene Ausländerdichte im persönlichen Umfeld.
  5. Wie stark die Vorurteile einer Person gegenüber Muslimen bzw. den Islam sind, hat keinen nennenswerten Einfluss darauf, wie kritisch sie in Sachfragen gegenüber dem Islam ist.
  6. Nur ein geringer Anteil stimmt offen-islamfeindlichen Aussagen zu und noch weniger haben negative Verhaltensabsichten gegenüber Muslimen.
  7. Die Deutschen erreichen ähnlich islamophobe Werte wie die Befragten anderer europäischer Länder. Es handelt sich also nicht um ein genuin deutsches Phänomen.

Ruft man sich nun die drei eingangs genannten Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit von Islamophobie gesprochen werden kann, in Erinnerung, so muss 1) eine Angst vor und/oder Ablehnung von dem Islam bzw. den Muslimen vorliegen, die 2) unbegründet und/oder voreingenommen bzw. generell ist und 3) zu Diskriminierung und/oder Gewalttaten führt.

Die erste Bedingung wird durch die Umfragen durchweg bestätigt, es liegt je nach Fragestellung eine Ablehnung des Islams bei einem Drittel bis zu drei Vierteln der Deutschen vor. Dies erschließt sich vor allem aus dem negativen Bild, dass die Befragten im Hinblick auf alle ideologischen Dimensionen des Islams haben.

Im Gegensatz dazu wird die zweite Bedingung nicht erfüllt. Die Befragten nennen explizite Gründe, warum sie den Islam ablehnen. Dass die Kenntnis dieser Gründe nicht vorwiegend aus persönlicher Erfahrung mit Muslimen stammt, sondern aus medial vermittelten Bildern, spricht auch dafür, dass der Islam als System und nicht einzelne Muslime als Menschen abgelehnt werden. Dass eine monolithische Sicht des Islams mit steigender Ablehnung desselben korreliert, ist damit zu erklären, dass die Probleme mit Muslimen (bis auf wenige Ausnahmen) unabhängig von ihrer jeweiligen speziellen Glaubensausrichtung auftreten. Sachliche Kritik am Islam äußern rund 80 Prozent der Deutschen nahezu gleich stark, unabhängig von den jeweiligen Vorurteilen. Lediglich das Fünftel der als kulturrelativistisch eingestuften Befragten stimmt, wie zu erwarten, islamkritischen Aussagen weniger zu. Gleichzeitig schreibt mehr als die Hälfte der Befragten dem Islam eine bewundernswerte Kultur zu. Von unbegründeter Angst kann also keineswegs gesprochen werden. Generelle Ablehnung findet sich nur bei einem sehr geringen Teil der Befragten.

Die dritte Bedingung ist schwer zu messen, da nicht klar ist, ob Befragte sich frei äußern würden, wenn sie Muslime diskriminieren oder gesellschaftlich ausschließen. Die abgefragten Verhaltensabsichten lassen also eher Vermutungen zu. Offen-islamfeindliche Handlungen wie ein vollständiges Verbot der Religionsausübung, die Ausweisung von oder ein Einreisestopp für Muslime finden nur sehr geringe Zustimmung. Die Wahl von Schulen ohne kopftuchtragende Lehrerinnen und Muslim-freie Wohnviertel kann als Ausgrenzung interpretiert werden. Allerdings nur, wenn man andere soziale Bedingungen wie die erhöhte Kriminalität in von Muslimen dominierten Stadtvierteln ignoriert und wenn man das Kopftuch nicht als (politisch-ideologisches) Symbol der Unterdrückung der Frau interpretiert. Hier lässt die Vorurteilsforschung jeglichen Bezug auf soziale Ursachen vermissen.

Insgesamt kann also von Islamophobie als Angst im Sinne einer Phobie keineswegs gesprochen werden. Vielmehr handelt es sich um eine Ablehnung ganz bestimmter ideologischer Merkmale oder Verhaltensweisen, die mit dem Islam assoziiert oder auf ihn zurückgeführt werden. Bei Menschen, die auch in anderer Hinsicht dazu neigen, Menschengruppen abzuwerten, können dadurch Vorurteile gegen Muslime entstehen.

Dass diese ideologischen Tendenzen mit ihren negativen sozialen Auswirkungen wirklich auf den Islam zurück zu führen sind, bestreiten die Vorurteilsforscher vehement. Reden sie von Islamophobie als unbegründeter Angst, behaupten sie stattdessen pauschalisierend, dass eigentlich keine Gefahr vom Islam ausgeht. Anstatt mögliche reale Ursachen für die gemessene Wirkung der Islam-Ablehnung in der Bevölkerung zu untersuchen, versuchen sie ganzen Bevölkerungsteilen eine übersteigerte Angst oder rassistische Ablehnung zu unterstellen.

Das Wort Islamophobie kann daher nur als gezielter Kampfbegriff aufgefasst werden.


Auszug aus: Felix Struening (2010): Mythos Islamophobie. Wie stehen die Deutschen wirklich zum Islam? In: Hartmut Krauss (Hg.): Feindbild Islamkritik. Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung überschritten werden. Osnabrück: Hintergrund Verlag.

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