Bürger-Journalismus – Qualität oder lediglich Rauschen?

19. August 2010 0

Die Citizen Times versteht sich als Bürger-Magazin. Doch was bedeutet dies eigentlich? Begriffe wie Bürger-Journalismus, Graswurzel-Journalismus oder Open-Source-Journalismus geistern seit einigen Jahren vor allem durch das Web (2.0). Von Seiten der professionellen Journalisten wird diesen Entwicklungen, die vor allem in Blogs ihren Ausdruck finden, entgegengehalten, damit gingen die Prinzipien eines Berufsstandes verloren 1. Doch immer mehr Journalisten bloggen, twittern, facebooken etc. selbst. Wie steht es also um die Qualität des Journalismus im Mitmach-Netz?

Qualität

Die Entwicklung der Diskussion über die Qualität des Bürgerjournalismus kann man ganz einfach mit einer kurzen Google-Suche nachvollziehen. Über 26.000 Suchergebnisse finden sich nittlerweile dazu. 2 Ohne auf die vielen Pros und Contras einzugehen, sei hier auf einen neueren Kommentar zur Bürger-Journalismus-Debatte von Matthias Schwenk bei Carta verwiesen. Er zeigt auf, dass die deutsche Bloggerszene zwar noch längst nicht so weit wie die amerikanische ist, dass Blogs aber grundsätzlich genauso wie Medien eigene recherchierte Nachrichten produzieren können und eben nicht nur einen Kommentar zu den klassischen Medien darstellen. Außerdem gibt es News, die dort (in den herkömmlichen Medien) gar keine oder nur wenig Beachtung finden, sich aber durch bestimmte Entwicklungen im Netz wie ein Lauffeuer verbreiten. Das Fazit:

So gesehen ist das Wort “Bürgerjournalismus” wirklich ein Versprechen und kein Abgesang. Die Massenmedien muss er dabei gar nicht ablösen. Es reicht schon, wenn er korrigierend wirkt und Lücken füllt.

Mitmach-Modelle

Die Modelle des Bürgerjournalismus sind so verschieden, wie diejenigen, die dazu auffordern. Schon im Jahr 2007 hat Michael Gisinger bei Readers Edition eine verschiedene Modelle des Bürgerjournalismus definiert. Generell kann man wohl vor allem zwischen der „Erweiterung“ klassischer Medien und neuen, eigenständigen Formaten des Bürger-Journalismus unterscheiden. So fordern beispielsweise immer mehr Zeitungen ihre Leser auf, sich zu beteiligen. Dies kann ganz normal über die Kommentarfunktion gehen, was letztlich nichts anderes als ein (schneller) Leserbrief ist. Oder aber die Bevölkerung wird gleich zu „Leser-Reportern“ erklärt. 3 Anderswo werden Regio-Wikis als neue Formate entwickelt, die die Regionalzeitungen ersetzen sollen.

Andere sehen in jedem Blogger, der journalistisch arbeitet, einen Bürgerreporter. Auch haben sich verschiedene Web-Magazine und Portale entwickelt, wo mehrere Gleichgesinnte zusammen schreiben (mehr dazu bei den best practise Beispielen weiter unten).

Finanzierung

Die Finanzierung eigener Bürger-Journalismus-Webseiten ist natürlich immer sehr fraglich. Die meisten müssen versuchen, mit dem für das Internet typischen Dreiecksgeschäft 4 Geld über Werbeeinnahmen, in aller Regel also Google AdWords zu generieren.

Bei einigen (News-)Portalen kann man entweder versuchen, seine Bilder oder Videos an professionelle Redaktionen zu verkaufen (z.B. www.tvype.de 5) oder die Portale zahlen selbst für die Texte (z.B. www.suite101.de).

Eine neue Idee ist der Mikro Payment Dienst flattr, der darauf setzt, dass leser ihre Zustimmung zu bzw. ihr Gefallen an einem Artikel nicht nur durch Kommentare ideell zeigen, sondern auch kommerziell durch eine Art Spende, bemessen über die Häufigkeit der Klicks. 6

Erfolgreiche Beispiele

Will man über Bürgerjournalismus sprechen, kommt man natürlich an best practise nicht vorbei. Im deutschsprachigen Raum muss da in jedem Fall die Readers Edition genannt werden, ein Blogform-Projekt, wie man sich dort selbst nennt. Die Prinzipien sind denkbar einfach: Jeder kann mitmachen, sich registrieren und schreiben. Eine Gruppe von Moderatoren überwacht die Artikel, unter anderem auf die Einhaltung des Pressekodex. In einem eigenen Wiki wird eine Art Handbuch für Bürgerjournalismus entwickelt. Natürlich kann sich auch hier jeder einbringen.

Bürger-Journalismus bei der Citizen Times

Was bedeutet Bürgerjournalismus nun bei uns bei der Citizen Times? Grundsätzlich heißt dass, das hier Bürger aus ihrer Sicht über Dinge und Ereignisse schreiben. Die Autoren sind dabei in ihrer Meinungsäußerung frei, solange sie sich an geltendes Recht halten. Im Unterschied zu vielen anderen Internet-Publikationen herrscht bei uns jedoch eher ein politisch liberal-konservatives Klima vor. Soll heißen: Wir geben linken Demagogen hier keinerlei Platz für ihre Ideologie. Mehr dazu findet ihr bei den Citizen Times Werten.

Lektüreempfehlungen

Bedingt durch die Natur des Bürgerjournalismus gibt es natürlich unzählige Texte dazu, vor allem im Internet. Ein paar lesenswerte Ausführungen, aber auch Bücher haben wir hier zusammen getragen. Weitere Tipps bitte über die Kommentarfunktion hinzufügen, egal ob on- oder offline.

  • Schon 2004 veröffentlichte Dan Gillmor sein Buch „We the Media“, dass man online auch kostenlos als PDF lesen kann. Bei Readers Edition hat er außerdem 2007 zehn Thesen zum Thema Bürgerjournalismus aufgestellt. Darin fordert er seine Leser vor allem auf, Medienkompetenz zu entwickeln, um einerseits das Wichtie im anwachsenden Rauschen zu erkennen und andererseits bei eigener Publikation immer besser zu werden.
  • Stephan Weichert und Christian Zabel haben ein wirklich interessantes Buch über die wichtigen Gestalter des neuen Web-Journalismus herausgegeben: „Die Alpha-Journalisten 2.0“. Neben drei Grundsatz-Artikeln, in denen die Entwicklung des Journalismus durch das Internet diskutiert wird, enthält der Band vor allem 20 Portraits von eben jenen Alpha-Journalisten, die die Gegenwart des Netz-Journalismus mitprägen.

Notes:

  1. So etwa in einer Stellungnahme der Deutschen Journalisten Union von 2006
  2. Siehe: Google, abgefragt am 15.08.2010
  3. Was anderen Medien wiederum Sorgen bereitet, siehe z.B. folgenden FAZ-Artikel.
  4. Siehe dazu z.B. Chris Andersons Buch „Free – Kostenlos“
  5. Eine bündige Beschreibung des Modells inklusive der Vergütung gibt es bei netzwertig.com.
  6. Auch hierzu eine schöne Erklärung bei netzwertig.com, etwas ausführlichere Überlegungen dazu gibt es bei Andreas Grieß im Blog und der flattr-Gründer stellt sich selbst und sein startup bei netzpolitik vor.

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