Islamische Selbstmord-Attentäter sind Muttersöhnchen

12. August 2010 3

Book review: Nancy Hartevelt Kobrin: The Banality of Suicide Terrorism

Es gibt viele Versuche, das Phänomen islamischer Selbstmordattentäter zu erklären: theologische, soziologische, ökonomische und psychologische. Die meisten der Definitionen können bestimmte Muster im Verhalten der Terroristen, z.B. in Israel bzw. den Palästinensergebieten erklären und versagen dann plötzlich bei anderen, etwa den Todespiloten vom 11. September 2001.

Theologische Begründungen argumentieren mit dem Koran, denn dort wird der Dschihad – auch im Sinne eines bewaffneten Kampfes gegen die Ungläubigen – gefordert, und der Tod in eben diesem Kampf ist die einzige Garantie für den Einzug ins Paradies, wie es der Islamwissenschaftler Mark A. Gabriel es ausführlich dargelegt hat. Hinzu kommt laut dem Sozialwissenschaftler Manfred Kleine-Hartlage die Wertlosigkeit des hiesigen Lebens, die die materielle Besserstellung im Paradies überhöht. Dem allen entgegen steht (scheinbar) das koranische Selbstmordverbot sowie die Untersagung, Muslime umzubringen.

Studien zeigen auch, dass sozioökonomische Gründe für die Selbstaufgabe kaum eine Rolle spielen können, da die Täter meist aus gut situierten und intakten Familien stammen. Hinzu kommt die soziologische Erklärung von Hans Magnus Enzensberger, der die „narzisstische Kränkung“ des muslimischen Mannes als Verlierer des Weltgeschehens für die Ursache hält. Angesichts der hohen Bildung vieler Selbstmordattentäter, müsste dann aber ferner eine massive Kopfwäsche durch islamische Organisationen vorliegen.

Nancy Hartevelt Kobrin: The Banality of Suicide Terrorism. The Naked Truth About the Psychology of Islamic Suicide Bombing, Washington, DC: Potomac Books 2010, 192 Seiten, 21,99 Euro.
Kaufen bei: Amazon.

Oder aber, dass selbstdestruktive Verhalten der muslimischen Männer ist durch eine tiefgreifende psychologische Komponente geprägt, die sie andere Verhaltensmuster ignorieren lässt. So jedenfalls lässt sich das Buch „The Banality of Suicide Terrorism“ der amerikanischen Psychoanalytikerin Nancy Hartevelt Kobrin verstehen, die die Geschlechterrollen im Islam und die Mutter-Sohn-Beziehung der muslimischen Familien für ausschlaggebend hält. Letztlich sei der islamische Selbstmord-Terrorismus eine Verlängerung der häuslichen Gewalt, freilich in Form eines militärischen und politischen Werkzeuges radikaler muslimischer Organisationen.

Nancy Hartevelt Kobrin meint, dass Problem resultiere vor allem aus der Position der muslimischen Frau. Einerseits werde sie meist sehr früh Mutter, eigentlich selbst noch Kind oder Jugendliche und dadurch als Person entwertet und missbraucht. Andererseits sei es ein absolutes Tabu in islamischen Gemeinschaften, dass der Sohn sich von der Mutter in irgendeiner Art und Weise distanziere. Selbst die eigene Frau ist bzw. eigenen Frauen sind weniger wert. Die Identifikation mit diesem, aus westlicher Sicht völlig abgewerteten und psychologisch zerstörten Frauenbild, ist in der Folge katastrophal.

Beispiele sind für die Autorin die 9/11-Todespiloten, aber auch Osama bin Laden mit seiner Al-Qaida. So sei bin Laden immer noch psychologisch im Krieg mit seinem Vater, einem Baumeister, der die berühmten Moscheen in Mekka, Medina und Jerusalem renovierte. Die Autorin macht das unter anderem daran fest, dass der Code-Name für den Al-Qaida-Terroranschlag in Kenia „Heilige Kaaba“ (also Mekka), und für den Angriff in Tansania „al-Aqsa“ (also Jerusalem) war.

Im letzten Kapitel ihres Buches macht Nancy Hartevelt Kobrin Vorschläge, wie der islamische Selbstmord-Terrorismus gestoppt werden könnte. Zunächst müssten Gesellschaften, die den Selbstmord-Terrorismus unterstützten, ebenfalls vor Gericht kommen. Eingeschlossen wäre die Verfolgung von Institutionen und Klerikern, die den Hass auf andere Gesellschaften (d.h. die Ungläubigen) schüren.

Vor allem aber geht es der Psychoanalytikerin um die frühe Intervention in muslimischen Gemeinschaften, um die Rolle der jungen Mädchen zu stärken, ihnen Bildung zu ermöglichen und sie vor religiös-kultureller Indoktrination zu bewahren. Dazu gehöre sowohl ein Burka-Verbot als auch der Schutz vor Genital-Verstümmelung (FGM) sowie im Allgemeinen eine Bekämpfung der Scham-Kultur des Islams. Hier stellt sich die Autorin in eine Reihe mit der Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali, die ebenfalls die Unterdrückung der Frau für das größte Modernisierungs- und Integrationshindernis im Islam hält.

Nancy Hartevelt Kobrin findet für dies Situation ein spezielles Erklärungsmodell aus ihrem Fach, der Psychoanalyse. Sie denkt, dass muslimische Frauen oft unter einem massiven „Stockholm-Syndrom“ leiden. Dieses bezeichnet eigentlich das Verhalten von Geißeln, die im Nachhinein oft ihre Entführer verteidigen und sogar als Schutz bezeichnen. Ähnlich verhalte es sich in islamischen Familien, wenn selbst hochgebildete Frauen im Missbrauchsfall keine Anklage gegen die oft innerfamiliären Täter erheben, ja den Missbrauch oft sogar noch decken oder aktiv unterstützen, etwa bei Ehrenmorden oder Genitalverstümmelungen.

Dr. Nancy Hartevelt Kobrin ist Psychoanalytikerin mit einer Spezialisierung auf Traumata. Mit dem Phänomen des Selbstmord-Terrorismus beschäftigt sie sich seit den frühen 80er Jahren und den Lastwagen-Bomben im Libanon. In Minnesota unterrichtet sie seit vielen Jahren Polizeikräfte des Sheriff’s Hennepin County. Sie hat außerdem wissenschaftlich zur somalischen Diaspora in Minnesota gearbeitet.

Nancy Hartevelt Kobrin: The Banality of Suicide Terrorism. The Naked Truth About the Psychology of Islamic Suicide Bombing, Washington, DC: Potomac Books 2010, 192 Seiten, 21,99 Euro.
Kaufen bei: Amazon.

3 Comments »

Leave A Response »