Falsche Trennung von Politik und Menschen

23. Juni 2009 0

Rezension zu Axel Brüggemann: Wir holen uns die Politik zurück

Das Problem von Büchern wie dem vorliegenden, aber in Teilen auch Gabor Steingarts „Die Machtfrage“ ist die absolutistische Trennung von Politikern „da oben“ und Menschen, Bürgern, dem Volk „hier unten“. Dabei sind auch die Politiker – übrigens genau wie die hochbezahlten Manager in der Wirtschaft – ein präzises Abbild des Volkes oder der Nation. Sie sind genau das, was wir ihnen zugestehen. Und wenn Autoren und Kritiker den Esprit eines Barack Obama vermissen, dann sollten sie auch verstehen, dass wir als Volk anscheinend nicht die Grundlage für solche Politiker bieten. Stattdessen sind unsere Politiker vor allem eines: sachlich.

Außerdem stellt sich die Frage, wie wir Deutschen, aber auch das Ausland auf einen deutschen Politiker reagieren würden, der mit Slogans wie „Ich will der Führer von allen Deutschen werden“ oder „Ich will, dass Deutschland wieder die führende Weltmacht wird“ anträte. Aber genau dies sind auf die USA bezogen die Worte Barack Obamas.

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus

Das Problem ist also nicht eine elitäre Politikerkaste sondern unser stetiges Gefühl, das macht jemand mit uns. Das mag daran liegen, dass die Deutschen niemals die Demokratie selber wählten, sondern von den Alliierten aufgesetzt bekamen. Das mag daran liegen, dass unser Grundgesetz ein Provisorium ist, das durch eine selbstgegebene Verfassung ersetzt werden sollte. Vielleicht haben wir deswegen nie gelernt, für unsere Werte und Ideale einzustehen, auch nicht, wenn fundamentalistische Politreligionen wie der Islam unsere Freiheiten in Europa bedroht.

Wenn man sich aber vor Augen hält, in welch kurzer Zeit Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine Demokratie wurde, in welch kurzer Zeit nach dem Fall der Mauer die neuen Bundesländer integriert wurden, dann versteht man, welches Wunder hier eigentlich geschehen ist. Für die Deutschen und alle Europäer bedeutet dies, dass Demokratie bei uns nicht nur funktioniert, sondern auch zu Wohlstand und Freiheit führt, wie sie niemals zuvor herrschte. Und für diese Werte muss sich jeder selbst aktiv einsetzen und kann die Schuld nicht Wirtschaft und Politik in die Schuhe schieben. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“, steht im Grundgesetz Artikel 20, Absatz zwei. Wir sollten das wörtlich nehmen. Ungültiges Wählen, wie es Axel Brüggemann fordert, ist mit Sicherheit der falsche Weg.

Axel Brüggemann (2009): Wir holen uns die Politik zurück.  Eichborn Verlag, 192 Seiten, 14,95 Euro.

Leave A Response »