Wer integriert sich wie gut

12. Mai 2009 0

Herausragende Studie „Ungenutzte Potenziale“ unterscheidet Migranten nach Herkunftsland und besiegelt das Ende von Multikulti!

„Zugewanderte sind im Durchschnitt schlechter gebildet, häufiger arbeitslos und nehmen weniger am öffentlichen Leben teil als die Einheimischen.“ Diese erste Erkenntnis der Studie „Ungenutzte Potenziale“ vom „Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung“ überrascht nicht sehr. Doch hinter dem unscheinbaren Titel verbergen sich Zahlen, die an Brisanz und Deutlichkeit kaum zu übertreffen sind. Denn die Studie hat erstmals die Integrationserfolge von Migrantengruppen verschiedener Herkunftsländer verglichen. Dass die Türken dabei am schlechtesten abschneiden, verwundert kritische Beobachter der Migration kaum, ist aber ein Schlag ins Gesicht der Multikulti-Verteidiger Deutschlands.

Migranten integrieren sich unterschiedlich – je nach Herkunft

Möglich geworden ist diese Differenzierung zwischen den Migranten durch die erstmalige Abfrage des Herkunftslandes beim Mikrozensus 2005, einer jährlichen Befragung von einem Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung durch das Statistische Bundesamt. Die daraus gewonnenen Daten sind auch deswegen so neuartig, weil bei bisherigen Studien zur Migration nur die Bevölkerungsanteile mit ausländischer Staatsbürgerschaft erfasst wurden. Mittlerweile ist jedoch von den 15 Millionen hier lebenden Zugewanderten und ihren Nachkommen rund die Hälfte eingebürgert, „ohne dass sich dadurch zwingend die Integrationsprobleme aufgelöst haben.“ Es handelt sich also um 20 Prozent der hiesigen Bevölkerung, was Deutschland zu dem europäischen Land mit den meisten Menschen mit Migrationshintergrund macht. Angesichts der demografischen Entwicklung wird sich dieses Verhältnis zukünftig noch verstärken.

Die Migranten wurden zur verständlichen Darstellung in acht Regionen bzw. Gruppierungen aufgeteilt: Aussiedler, Türkei, Südeuropa (Griechenland, Italien, Portugal und Spanien), weitere Länder der EU-25, ehemaliges Jugoslawien, Ferner Osten, Naher Osten und Afrika. Undifferenzierte Daten ergeben sich dabei vor allem bei den Regionen, aus denen sowohl Flüchtlinge bzw. Asylanwärter kommen, als auch im Gegensatz dazu hochqualifizierte Fachkräfte, da der Mikrozensus aus Datenschutzgründen den Rechtsstatus nicht angibt. Hier können die Herausgeber der Studie nur auf die sehr unterschiedlichen Integrationserfolge innerhalb der jeweiligen Migrantengruppe hinweisen und aufgrund von den Asylantragszahlen des Innenministeriums Vermutungen anstellen.

Fraglich ist auch, warum Afghanistan und Pakistan in die Gruppe Ferner Osten mit aufgenommen wurden, anstatt die beiden Länder dem Nahen Osten zuzuordnen, da hier die kulturelle Prägung stärker als die geografische Lage wiegen müsste. Auch dadurch dürften die Ergebnisse der Gruppe Ferner Osten etwas verfälscht werden, zumal leider nicht einmal im Anhang die Werte der einzelnen Länder einzusehen sind.

Index zur Messung von Integration

Um nun die unterschiedlichen Migrantengruppen im Hinblick auf ihre Integration zu untersuchen, haben die Experten des Berlin-Institutes eigens einen Index zur Messung von Integration (IMI) entwickelt. 15 Indikatoren in den Bereichen Assimilation, Bildungssituation, Erwerbsleben und finanzieller Absicherung sollen ganz verschiedene Lebensbereiche betreffen und zugleich möglichst unabhängig von einander sein. Anhand von fünf Indikatoren wurde außerdem ein dynamischer Vergleich zwischen Zuwanderern und der hier geborenen nächsten Generation gezogen, denn der eigentliche Erfolg von Integration zeigt sich oft erst bei den hier Geborenen.

Generell gibt es in allen acht Migrantengruppen ein breites Spektrum von Integrationserfolgen, doch „mit Abstand am schlechtesten integriert ist die Gruppe mit türkischem Hintergrund.“ Und dass, obwohl die Türken schon lange im Land sind und die Hälfte von ihnen bereits hier geboren wurde. So bleibt beispielsweise die hohe Erwerbslosigkeit auch bei der zweiten Generation bestehen und die Bildungserfolge nehmen nur gering zu. Mit knapp einem Drittel ohne jeglichen Bildungsabschluss ist die Gruppe der Türken die am wenigsten gebildete unter den Migranten.

Pflichtlektüre und Zwang zum politischen Handeln

Die Studie ist mit ihren Erkenntnissen nicht nur brisant, sie ist auch noch hervorragend aufgemacht. Eine kleine Geschichte der Immigration seit dem Zweiten Weltkrieg und die Darstellung der grundlegenden Mengenverhältnisse von Migranten in Deutschland leiten passend ein. Die statistischen Daten sind grafisch und durchgängig vierfarbig aufbereitet und werden dadurch sehr gut verständlich. Lediglich das Fehlen der jeweiligen Prozentzahlen in den Balken- und Kreisdiagrammen ist zu bemängeln. Die Erklärung einzelner Werte und Begriffe lässt das Werk auch für sozialwissenschaftliche Laien verständlich werden.

Der ausführlich dokumentierte Index zur Messung von Integration liefert dabei Zahlen, die nicht nur die aktuelle Politik bestimmen sollten, sondern auch in jeder höheren Bildungseinrichtung zur Pflichtlektüre gehören müssten. Denn der unterscheidende Umgang mit integrationswilligen Migranten und jenen, die auf Kosten des Sozialstaates der Aufnahmegesellschaft leben und sich von dieser abschotten, muss nun endlich politische Realität werden. Die Studie zeigt deutlich – ohne dies allerdings explizit zu erwähnen – dass Migranten aus Herkunftsländern mit islamischer Prägung sich wesentlich schlechter in die deutsche Gesellschaft integrieren. Und sie zeigt auch, dass es vor allem von den Anstrengungen der Migranten selbst abhängt, wie gut sie integriert sind.

Neben den genannten Schwerpunkten wird auch untersucht, wie gut die Integration in verschiedenen Regionen und Städten Deutschlands funktioniert, wobei beeinflussende Bedingungen wie etwa die Industriedichte natürlich beachtet werden. Den Abschluss macht schließlich ein Kapitel zu den möglichen Kosten von fehlgeschlagener Integration. Hier wird allerdings darauf hingewiesen, dass die vorliegenden Studien, wie etwa die der Bertelsmann Stiftung von 2008, jeweils zu sehr unterschiedlichen Zahlen kommen, da verschiedene Berechnungsmodelle zugrunde liegen. Allen gemeinsam ist jedoch, dass mangelnde Integration unsere Aufnahmegesellschaft unheimlich viel kostet.

Schuld daran sei vor allem auch die bisherige Multikulti-Politik: „Die Vision einer multikulturellen Gesellschaft, in der jede Herkunftsgruppe unbeeinflusst ihre Eigenart ausleben sollte, ließ echte Integration nie zu, sondern stärkte das Leben in jenen Parallelgesellschaften, in denen sich die Unterschichten der Großstädte konzentrieren.“ Für die Forscher am Berlin-Institut bedeutet das vor allem „ungenutzte Potenziale“. Daher wohl auch der unscheinbare Titel der Studie „zur Lage der Integration in Deutschland“. (Die Studie kann auch beim Berlin-Institut kostenlos als PDF heruntergeladen werden.)

Franziska Woellert, Steffen Kröhnert, Lilli Sippel, Reiner Klingholz: Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland, Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung, 2009, ISBN-13: 9783981247312, 6.42 €

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