Warum Europa zu seiner Kultur der Freiheit stehen muss

22. April 2009 0

Rezension zu Armin Geus, Stefan Etzel (Hg.): Gegen die feige Neutralität. Beiträge zur Islamkritik

„Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, polemisierte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am 10. Februar 2008 von 20.000 jubelnden Türken. Doch nicht irgendwo in seinem Heimatland, sondern mitten in Deutschland. Was Erdogan von seinen Landsleuten forderte, ist die Bewahrung der türkischen Identität bei gleichzeitigem Einfluss auf die deutsche Gesellschaft und Politik. Ein dreister, lobbyistischer Anspruch, den nur wenige Gruppen oder Religionen an den Tag legen. Und Grund genug, einen vertiefenden Blick auf den Ursprung des türkisch-nationalistisch-muslimischen Imperialgehabes zu werfen: Den Islam.

Der von Armin Geus und Stefan Etzel herausgegebene Sammelband „Gegen die feige Neutralität. Beiträge zur Islamkritik“ wird seinem Untertitel mehr als gerecht. Denn die Beiträge der zum Teil sehr bekannten Autoren beziehen sich vor allem auf die Macht-Natur der Religion Islam selbst und weniger auf die soziokulturellen Folgen, wie sie allerorts diskutiert werden. Das hat den Vorteil, dass Kritiker aus dem Gutmenschen- und Appeasement-Milieu es schwer haben, ihr ewiges „Der Islam wird dafür missbraucht“-Argument zu lancieren. Die oft beschimpfte ‚Islamophobie‘ wird hier in ihrer eigentlichen Bedeutung sichtbar: Ja, wir müssen den Islam an sich und seine weltpolitischen Auswirkungen fürchten. Denn sein Herrschaftsanspruch, vor allem aber sein verachtendes Menschenbild mit der völligen Unterordnung des Individuums unter die Gemeinschaft der Gläubigen und unter Allah bedrohen unseren freien Westen mit seinen mühsam errungenen Werten, wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Religionsinhärente Probleme im Islam

„Gegen die feige Neutralität“ erhebt den Anspruch, die alten Schlagworte von Links und Rechts als unbrauchbar zu zeigen. Vielmehr noch bearbeiten die verschiedenen Beiträge aber vor allem zwei Paradigmen. Der erste widmet sich den Problemen, die sich aus der Religion Islam selbst ergeben. Deswegen sind auch die Artikel der Religionswissenschaftler und Theologen mit die interessantesten, gekrönt von den Beiträgen des Ex-Universitätstheologen Hubertus Mynarek und des Islamwissenschaftlers Tilman Nagel.

Mynarek weist zunächst die fundamentalistischen Anlagen in Islam und Christentum nach und erklärt, warum der Islamismus kein Missbrauch des Islams, sondern eine inhärente Anlage und natürliche Entwicklung ist. Wie Hartmut Krauss in seinem Beitrag passend ergänzt, repräsentiert der Islamismus „die ideologisch-praktische Reaktion der Verteidiger der islamischen Herrschaftskultur auf die Herausforderungen der westlichen Moderne. Im Grunde handelt es sich um eine ‚selbsterhaltungslogische‘ Radikalisierung unter negativ veränderten Daseinsbedingungen.“ Desweiteren stellt Mynarek die theologisch-vergleichende These auf, dass der Koran bezüglich seiner Autorität und dem Verbot des Zweifels am ehesten mit der Person Jesus Christi zu vergleichen ist und das Neue Testament mit den Hadithen (Mohammeds Taten und Worte). Der angebliche Prophet Mohammed hingegen spielt eher eine den zwölf Aposteln ähnliche Rolle.

Tilman Nagel hingegen erläutert, dass es nicht ausreiche, den Begriff Islam in seiner herkömmlichen Deutung mit „Ergebung in den Willen Allahs“ zu übersetzen, da dies semantisch nicht korrekt sei und vor allem die kosmologische Bedeutung der Lehre außen vorlasse. Direkt mit den Suren und Versen argumentierend, in denen ‚Islam‘ im Koran genannt wird, zeigt Nagel die fundamentale Bedeutung, des ‚nicht vom Willen Gottes abweichen Dürfens‘, da Allah jeden Augenblick und alles Wissen vorherbestimmt habe. „Als ‚Muslim‘ ist der Mensch demnach von jeglicher persönlicher Entscheidung zwischen gut und böse entlastet“, Gläubige im Islam haben die einzige Aufgabe, ihre „Hinwendung zu Gott auf Dauer zu stellen und damit in letzter Konsequenz auf jegliche Autonomie zu verzichten.“

Nagels Artikel zur Frage nach der Möglichkeit eines säkularisierten Islams ist noch aus einer ganz anderen Perspektive interessant: Er erschien das erste Mal bereits 2001 in „Aktuelle Analysen 26“ der Hanns Seidel Stiftung. Mit anderen Worten: Bereits vor den Anschlägen am 11. September 2001 und der einsetzenden Flut populärwissenschaftlicher Literatur zum Thema Islam und Islamismus gab es in Deutschland gute und kritische Analysen, die nicht nur vor dem islamischen Terror, sondern auch vor der Unfähigkeit des Islams, sich zu modernisieren bzw. entpolitisieren warnten.

Toleranz – Intoleranz – fauler Kompromiss

Neben der Kritik am Islam an sich beschäftigt sich „Gegen die feige Neutralität“ vor allem mit dem Paradox europäischer Toleranz gegenüber muslimischen Minderheiten und ihrer infamen Forderungen. Herausragend argumentiert hier Michael Rumpf mit seiner Bezugnahme von Identität auf Integration. Der Autor weist auf die demokratisch-europäische Angewohnheit hin, sich nicht entscheiden zu wollen, sich dem (Kierkegaard‘schen) Entweder-Oder entziehen zu wollen. Stattdessen wird der – oft faule – Kompromiss gesucht zwischen meist Unvereinbarem.

Der Islam hingegen ist ein totalitäres System, das nichts neben sich akzeptiert. Aus muslimischer Sicht erscheint Demokratie deswegen als Schwäche, als Zeichen, seinen eigenen Willen nicht durchsetzen zu können. Tatsächlich hat Robert Kagan in seinem Buch „Die Demokratie und ihre Feinde“ darauf hingewiesen, dass die pseudo-demokratischen Quasi-Diktaturen z.B. in Russland dem Islam besser widerstehen. Bezogen auf die Integration von Muslimen bedeutet dies wiederum, dass diese sich psychologisch gesehen natürlich nur in eine Gesellschaft integrieren werden, die ihnen eine mindestens ebenbürtig erscheinende Stärke entgegensetzt. Nur wenn also wir in Europa unsere Identität eindeutig formulieren und den Muslimen als Messlatte für die Immigration setzen, kann eine Integration funktionieren.

Das Scheitern der Toleranz gegenüber jeglicher islamischer Forderung unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit haben unter anderem Henryk M. Broder in „Kritik der reinen Toleranz“ und Günther Lachmann in „Tödliche Toleranz“ für Deutschland nachgewiesen. Gleiches leistete Ian Buruma nach dem Mord an Theo van Gogh mit „Die Grenzen der Toleranz“ für die Niederlande. Allein die Dichte der Publikationen zu diesem Aspekt der Integration zeigt dessen Brisanz.

Wir müssen uns verabschieden von einer Sichtweise, die die Demokratie auf ihre Funktionsweise reduziert und die ihr zugrunde liegenden Werte ignoriert. „Sollte in einigen Jahrzehnten in Deutschland der Islam die Hauptreligion sein, das Türkische gleichberechtigte Landessprache, die Menschen deutscher Herkunft die Minderheit, sollten Straßennamen auf die Kulturträger der arabischen Welt verweisen, der Ramadan die Lebensgewohnheiten prägen, wäre dagegen nicht einzuwenden, sofern die Demokratie erhalten bliebe und das Grundgesetz in Geltung.“ Mit dieser überspitzten Perspektive malt Michael Rumpf aus, was passiert, wenn wir nicht verstehen, dass Toleranz nur gegenüber jenen sein darf, die selbst nach außen und innen tolerant sind.

Europa stärken!

Insgesamt variieren Qualität und Sachgehalt der Beiträge durchaus und so mancher Autor kann demjenigen, der sich mit dem Thema auskennt, nichts oder nur wenig Neues bieten. Die hier aufgegriffenen Artikel und einige weitere bestechen aber durch kluge Argumentation und klare Aussagen. Allgemein wünscht man sich unter den Autoren mehr Frauen, die nur drei der 25 aufgeführten abbilden. Gerade den Frauen wird es bei stärkerem islamischen Einfluss immer schlechter gehen, ihre Stimmen sollten also die lautesten sein.

„Gegen die feige Neutralität“ macht vor allem deutlich, dass es nicht unsere Aufgabe ist, den Muslimen in unseren westlichen Ländern weiter entgegenzukommen. Stattdessen müssen wir unsere eigenen Kulturen stärker betonen und behaupten. Nur so bieten wir überhaupt die Chance, sich in unsere Gesellschaften zu integrieren. Bleibt nur mit der Warnung des Philosophen Karl Popper zu schließen, die er angesichts des nationalistischen und sozialistischen Terrors 1944 aussprach, die jedoch heute uneingeschränkt für den Islam gilt: „Wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranten zu verteidigen, dann werde die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“

Armin Geus, Stefan Etzel (Hg.): Gegen die feige Neutralität. Beiträge zur Islamkritik, Basiliken-Presse, 2008, 24 Euro.

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