Es gibt keinen Islamismus

2. November 2008 1

Rezension zu Thomas Tartsch: Da’wa und Jihad – Islamischer Fundamentalismus und Jihadismus

Spätestens seit dem 11. September 2001 wird der deutsche und englischsprachige Buchmarkt mit populärwissenschaftlichen Abhandlungen zum Islam und seinen terroristischen und politischen Geltungsansprüchen geradezu überhäuft. Auf wissenschaftlicher Ebene bleibt das Thema aber oft der Orientalistik und Islamwissenschaft vorbehalten und es gibt fast keine quantitativen Studien in den Sozialwissenschaften dazu. Thomas Tartsch hat diesen Mangel erkannt und in seiner hervorragenden Dissertation einen interdisziplinären Standpunkt gewählt, der jenseits subjektiver Einschätzungen eine klare Faktenlage analysiert.

Klingt der Titel zunächst etwas uneindeutig, wird schnell klar, dass es dem Autor vor allem darum geht, zwei Themenbereiche abzuhandeln. Im ersten Teil des Buches erläutert er anhand der schriftlichen islamischen Quellen und der Geschichte des Islams die politischen bzw. terroristischen Dimensionen der Religion. Der zweite, wesentlich kürzere Teil beschäftigt sich dann mit den islamischen Organisationen in Deutschlandund ihren Agitationen sowie den staatlichen Maßnahmen zur inneren Sicherheit und deren Wirksamkeit.

Islamischer Fundamentalismus und Jihadismus

Grundlage des ersten Teils ist die Argumentation, dass man nicht einfach von einem Missbrauch der Religion durch die Islamisten sprechen kann, sondern dass extremistische Auslegungen ebenso zur Religion gehören, wie friedvolle. Um dies genauer erläutern zu können, muss zunächst der ungenaue Begriff des Islamismus ausdifferenziert werden, da er für eine wissenschaftliche Betrachtung zu viele Ideologien vermischt. Tartsch unterscheidet deswegen zwischen islamischem Fundamentalismus und Jihadismus. Der islamische Fundamentalismus stellt laut Tartsch eine Sichtweise dar, die den wahren Islam „in Form der islamischen ‚Umma‘ als revitalisierte und nach den Lehren des Islam reorganisierte Idealgesellschaft“ sieht, der nur im Gottesstaat ohne säkulare und westliche Einflüsse zu verwirklichen ist. Diese Rückwärtsorientierung resultiert aus der Glorifizierung der Lebenszeit des Propheten Mohammed und der vier rechtgeleiteten Kalifen. Für die Anhänger des islamischen Fundamentalismus ist er aber kein Rückfall ins Mittelalter, sondern eine Modernisierungsbewegung als „ein ‚besseres‘ anti-westliches Gegenmodell“. Im Gegenzug zu fundamentalistischen Strömungen in anderen monotheistischen Religionen, lehnt die islamische Variante z.B. die Verwendung moderner Technik nicht ab, sondern nutzt sie für ihre Zwecke. Der islamische Fundamentalismus kann also als eine „Sammelbezeichnung für eine aus verschiedenen theologischen Schriften und Lehren gespeiste Strömung im Islam definiert werden, der [!] eine glorifizierte und nicht zu hinterfragende Vergangenheit reanimieren will, die aber den gegebenen sozialen und politischen Gegebenheiten gemäß den heiligen Quellen des Islam teilweise und kontextabhängig angepasst wird.“ Die islamischen Fundamentalisten gehen dabei weitestgehend legalistisch vor und benutzen Gewalt nur, wenn nötig. In diesem Sinne kann man den titelgebenden arabischen Begriff Da’wa verstehen.

Auch der Jihadismus kann sich direkt auf koranische Quellen beziehen. Dort wird vom großen und kleinen Jihad gesprochen, wobei ersterer den inneren Kampf des Gläubigen gegen von der Religion ablenkende Gedanken und Gefühle meint. Der kleine Jihad hingegen meint die Verteidigung des Islams bzw. seiner Gebiete und wird deswegen oft als Rechtfertigung zum Verteidigungskrieg verharmlost. Folgt man aber der islamischen Unterteilung der Welt in das ‚Haus des Islam‘ (arab.: dar al-islam) und das ‚Haus des Krieges‘ (dar al-harb), wird deutlich, dass alle nicht-islamischen Gebiete als Feindesland bzw. Bedrohung ausgelegt werden können. Zumindest aber gilt, dass jegliches Land, in dem der Islam einmal herrschte, zurück erobert werden muss. So kann von den Jihadisten legitimiert werden, dass Israel und Teile Spaniens (dem ehemaligen Mauretanien) von den Ungläubigen besetzt sind. Ebenso können Anschläge gegen die Regierungen islamischer Länder gerechtfertigt werden, wenn diese als vom Glauben abgefallen gelten, da sie mit den westlichen Regierungen zusammen arbeiten.

Der Jihad und der auch der islamische Fundamentalismus streben beide die Errichtung des Gottesstaates an. Deswegen folgt der Autor gemäß dem Orientalisten Hans-Peter Raddatz einer Unterscheidung in drei Stufen: Dem Kampf des Herzens, der Zunge und der Hand. Sind die Muslime in einem Land die Minderheit, betreiben sie den Jihad des Herzens, der sich vor allem nach innen richtet und die Indoktrination der Gläubigen beinhaltet. Erreicht der muslimische Anteil einer Bevölkerung durch wachsende Quantität gesellschaftlichen Einfluss, gilt der Jihad der Zunge. Dabei beginnen die Muslime vom Staat Rechte einzufordern, die sie in eine vorteilhafte gesellschaftliche, politische und ökonomische Position bringen. Ist diese erreicht, beginnt die letzte Phase, der Jihad der Hand. Dies bedeutet die unmittelbare Machtergreifung unter gewaltsamer Ausschaltung politischer Gegner.

Was wie eine lächerliche Verschwörungstheorie klingt, kann Tartsch sowohl an den religiösen Schriftquellen verdeutlichen, als auch an der Geschichte der Verbreitung des Islams beweisen. Für Deutschland stellt er konkret fest, dass der Jihad sich durch geplante und durchgeführte Anschläge in der dritten Phase befindet, während der islamische Fundamentalismus in der zweiten Phase, der der Zunge, aktiv ist. Genauere Beweisführungen dafür liefert der Autor auch im zweiten Teil des Buches.

These und Gegenthese

Ausgerüstet mit dieser Dichotomie von islamischen Fundamentalismus und Jihadismus kann Tartsch seine These formulieren: Beide stellen für ihn langfristig gesehen eine Bedrohung der Gesellschafts- und Werteordnung für Deutschland dar. Sie sind „in ihrer Gesamtheit als eine sich religiös legitimierende, in Wahrheit aber moderne politisch totalitaristische, Ideologie einzustufen.“ Daraus folgt, wie vor allem an der frühen Expansionsgeschichte des Islams gezeigt werden kann, dass der Islamismus im Sinne einer politisierten Religion nicht existiert. Stattdessen sind gesellschaftliche und politische Geltungsansprüche der Religion Islam von Anfang an immanent. Da aber nicht alle Muslime dies voll praktizieren bzw. dieser Auslegung folgen, können islamischer Fundamentalismus und Jihadismus als ideologisierte Weiterentwicklungen betrachtet werden, die sich aus der angeblichen Unterdrückung durch den Westen speisen.

Als Gegenthese führt der Autor den französischen Sozialwissenschaftler Gilles Kepel an, der den Islamismus seit 1989 im Niedergang sieht. Die Verlagerung der Aktivitäten in den Terrorismus begründet sich für Kepel in der abnehmenden Zustimmung für den Islamismus in der muslimischen Bevölkerung. Drei wichtige Schichten, die arme städtische Jugend, die religiös-konservative Mittelschicht und die islamistische Intelligenz, seien für die Fundamentalisten nicht mehr zu mobilisieren.

Scharia, Tauhid und al-Islam din wa daula

In der Folge verteidigt Tartsch seine These an umfangreichem Quellenmaterial. Vor allem die Scharia als islamisches Recht durchdringt alle Lebensbereiche des Gläubigen. Sie wurde aber niemals – wie etwa die auf dem römischen Recht beruhenden abendländischen Gesetze – kodifiziert, sondern unterliegt der ständigen Anpassung. Quellen sind der Koran und die Sunna (Worte und Taten des Propheten). Da aber viele Suren und Verse nur unter historischem Blickwinkel verständlich sind, gibt es die islamischen Rechtsgelehrten, die mittels Analogieschluss (Qiyas) und Konsensfindung (Idschma) die Scharia an aktuelle Belange anpassen.

Da die Scharia sich auf göttliche Quellen beruft, ist sie nur interpretierbar, nicht aber als solche zu negieren. Deswegen wird sie z.B. in der „Kairoer Deklaration der Menschenrechte im Islam“ von 1990 über jegliches säkulares Recht gestellt. Die Scharia bildet also aus Sicht des islamischen Fundamentalismus ein Menschenrechtsverständnis mit göttlichem Autor. Das muss natürlich über einem von Menschen geschaffenen Wertesystem stehen. So wird verständlich, warum es immer noch – und leider immer mehr – Muslime gibt, die die barbarischen und unmenschlichen Strafen und Vorschriften der Scharia gutheißen. Es geht dabei weniger um die Inhalte des islamischen Gesetzes, als um die nicht zu hinterfragende göttliche Legitimation.

Ein weiteres Merkmal des allgemeinen Geltungsanspruchs der Religion stellt Tauhid dar. Wörtlich „die Einheit Allahs“ bedeutend, diente dieses Prinzip vorwiegend der Abgrenzung zum Christentum und der dortigen Dreieinigkeit. Weiterhin wurde es aber dazu verwendet, die Trennung zwischen weltlicher und religiöser Sphäre aufzulösen und den Gläubigen in ein Rechtsverhältnis mit Allah zu setzen. Zumindest aber werden beide Sphären vom gleichen Gesetz reguliert, dem Staat stehen demnach nur noch legislative und exekutive Tätigkeiten zu. Dieses Prinzip der Einheit von religiösem Gesetz und Staat (al-Islam Din wa Daula) setzte zu Zeiten des Propheten Mohammed die religiöse Gemeinsamkeit und Bindung über die herrschenden verwandtschaftlichen und ökonomischen Stammesordnungen. Die Umma, die islamische Gemeinschaft, manifestierte sich also in Abgrenzung zu und Herabsetzung von den Ungläubigen. Durch die Einführung von Steuern und Abgaben sowie der Eroberung verschiedenster Stammesgebiete schuf Mohammed nicht nur die Religion Islam, sondern auch ein politisches Staatswesen. Dieses ist aber – im Gegenzug zum westlichen Demokratie- bzw. Staatsverständnis – nicht durch die Unterteilung in Nationalstaaten begrenzt. Stattdessen basiert es auf der Idee einer globalen Gemeinschaft der Gläubigen, die ständig auszuweiten ist.

Der islamische Fundamentalismus des 20. Jahrhunderts

Vor dem Hintergrund dieser politischen Durchdringung des Islams kann der im 20. Jahrhundert aufkommende Islamismus – oder im Sinne des Autors islamische Fundamentalismus – nicht als plötzlicher Missbrauch der Religion bezeichnet werden. Vielmehr resultiert das Erstarken des Fundamentalismus aus der Flucht in die Religion nach dem Erlebnis zahlreicher Niederlagen. Tartsch legt den Anfang dessen mit den Feldzügen Napoleons und der daraus entstehenden Kolonisierung fest. Getrost darf man aber bereits die Niederlage der Türken 1683 vor Wien gelten lassen. Neben der kolonialistischen Unterdrückung werden vor allem die Gründung des Staates Israel sowie die folgenden militärischen Verluste der arabischen Länder gegen den jüdischen Staat genannt. Nach Ende des zweiten Weltkrieges richtete sich der Hass der Fundamentalisten dann gegen die Regierungen der entstehenden islamischen Staaten und deren vom Westen importierten politischen und ökonomischen Ordnungen.

Aus sozial-psychologischer Sicht kann man hier den Blickwinkel noch etwas erweitern. So hat Hans Magnus Enzensberger in „Schreckens Männer“ darauf hingewiesen, dass der enorme technische und wissenschaftliche Vorteil des Westens (und auch Chinas, Japans und Indiens) gegenüber den islamischen Gesellschaften im Kontrast zum religiös versprochenen Herrschaftsanspruch steht. Das schlechte Abschneiden in wirtschaftlichen und bildungstechnischen Fragen, jährlich dokumentiert durch den „Arab Human Development Report“ (AHDR), wird als unmännlich empfunden, was bei archaischen Stammesstrukturen besonders schwerwiegend ist. Das ganze als Allahs Strafe für den Abfall vom wahren Islam zu interpretieren, erscheint als letzter Ausweg.

Besonders die 1928 durch den Ägypter Hasan al-Banna gegründete Muslim Bruderschaft arbeitet mit dieser Argumentation. Durch den sich bereits 1936 abzeichnenden Palästinakonflikt wandelte sie sich von einer religiösen Erziehungsorganisation in eine moderne politische Partei. Seitdem hat sie weltweit ein finanzielles und ideologisches Netzwerk etabliert, das die Verbreitung des islamischen Fundamentalismus mehr oder weniger offen betreibt. Als Höhepunkt der islamisch-fundamentalistischen Bewegung darf die Revolution 1979 im Iran gelten. Trotz der Abneigung gegen die iranischen Schiiten in den umliegenden sunnitischen Ländern, gilt die Islamische Republik Iran seitdem als Vorbild des Gottesstaates. Auch Tartsch sieht das islamische Regime in Teheran als erste wirkliche Herrschaft des Klerus, das Kalifat, z.B. im Osmanischen Reich, hält er für zu sehr von weltlichen Machtinteressen geleitet.

Jihadismus

Den Jihadismus charakterisiert Tartsch als eine besondere Form des Terrorismus, da er nicht auf sozial-revolutionären oder ethisch-nationalistischen Motiven beruht. Er versteht sich vorwiegend als kommunikatives Mittel in einem angeblichen Verteidigungskrieg gegen die westlichen Aggressoren und deren verbündete Regierungen islamischer Länder. Aufgrund des postulierten Abfalls vom wahren Islam können die Jihadisten auch den Tod von Gläubigen bei Anschlägen hinnehmen oder sogar forcieren, da sie so ihrer Meinung nach das koranische Verbot, Muslime zu töten, umgehen.

Tartsch stuften den Jihadismus als einen Terrorismus von unten ein, weil sich große Anteile der Mitglieder aus niedrigen Volksschichten rekrutieren. Gleichzeitig erkennt er, dass die Führungsriege aus einer gebildeten und gutsituierten Mittel- und Oberschicht kommt. Am Beispiel al-Qaidas führt der Autor vor, wie sich die jihadistische Organisation dezentral etabliert und mehr zu einem Label geworden ist, das man terroristischen Anschlägen aufsetzt. Die Organisationsform steht somit im Gegensatz zur zentralistischen Muslim Bruderschaft, die zahlreiche Unterorganisationen steuert. Das daraus resultierende Problem für die Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden sind zwei neue Tätertypen al-Qaidas. Einerseits sogenannte „home-grown-terrorists“, d.h. im Westen aufgewachsene Migranten oder europäische Konvertiten, die sich hier radikalisieren, vorher aber nicht aufgefallen sind. Andererseits die eher organisatorische Bezeichnung des „non-aligned Mudschaheddin“, also dem Gotteskrieger, der nicht an bestehende al-Qaida-Strukturen gekoppelt ist. Er ist besonders schwer zu identifizieren, da kein Kontakt mit bekannten jihadistischen Personen und Moscheen existiert.

Integration und multikulturelle Gesellschaft – Ursachen und Auswirkungen

Der innovativste Teil des Buches dürfte wohl die oben genannte Herleitung der politischen Durchdringung des Islam von Anfang an sein. Nur wenige Wissenschaftler haben ähnlich klar und zugleich begründet die Zusammenhänge erfasst. Der Rest des ersten Teils gibt die Migrationsgeschichte in Deutschland wieder. Die beiden gewählten theoretischen Erklärungsansätze Niklas Luhmanns und Talcott Parsons tragen wenig zur Diskussion des Phänomens Integration bei. Viel interessanter ist der Blickwinkel des Autors, nicht von Parallelgesellschaften, sondern Parallelgemeinschaften zu sprechen. Die Religion als gemeinsamer Identifikations- und Identitätsfaktor erfasst durch ihre metaphysische Ausrichtung den Menschen als ganzes, vergemeinschaftet ihn also auf sozialer Ebene. Gesellschaften hingegen entstehen durch rationale, zweckgebundene Interessen und das Individuum tritt nur partiell, diesen Interessen entsprechend, bei.

Weiterhin lässt die – zumindest gewünschte – Anbindung an die globale Umma eine Integration in oder gar Assimilation an die Aufnahmegesellschaft überflüssig werden. Ist also kein Interesse zur Integration in bestehende Gesellschaften vorhanden, entsteht eine multikulturelle Gesellschaft, „in der verschiedene ethnische Teilgesellschaften nicht miteinander, sondern nebeneinander leben, mithin der ‚aparte‘ Status der Migranten entweder politisch gewollt oder zumindest implizit gewünscht erhalten bleibt“. In Deutschland dürfte dies vor allem durch die anfänglich von beiden Seiten gewollte zügige Rückkehr der Arbeitsmigranten ausgelöst worden sein. Das gescheiterte „Multikulti-Ideal“ konnte und wollte also niemals Integration fördern, da die kulturellen (und somit auch religiösen) Normen der Migranten nicht kritisiert werden dürfen, wie überkommen sie auch sein mögen. Tartsch sieht darin „Apartheid“ und stellt sich in eine ganze Reihe von prominenten Autoren. So nennt es Pascal Bruckner den „Rassismus der Anti-Rassisten“, Günther Lachmann spricht von „tödlicher Toleranz“ und allgemein bezeichnet man dieses Phänomen als Kulturrelativismus.

Innere Sicherheit

Der zweite Teil konzentriert sich zunächst auf die Darstellung der Architektur der inneren Sicherheit in Deutschland. Tartsch stellt Arbeitsweisen und rechtliche Grundlagen der Geheimdienste und der Strafverfolgungsbehörden vor. Zur Analyse der realen Bedrohung durch islamische Fundamentalisten und Jihadisten führt der Autor anschließend die islamischen Organisationen und Verbände vor. Diskutiert werden religiöse Hintergründe und politische Ziele. Vor allem drei Strategien werden dabei sichtbar: die Kopftuchdebatte und Klagen gegen das Verbot im Schuldienst, der Bau von Moscheen als Machtsymbol sowie Einrichtung des und Deutungshoheit über den Islamunterricht.

Weiterentwicklung und Kritisches

Die Grundlage der jetzigen Dissertation ist die fast gleich betitelte Diplomarbeit des Autors aus dem Jahre 2005. Hier hatte sich Thomas Tartsch noch wesentlich auf den Bereich der inneren Sicherheit und das Spektrum islamischer Organisationen beschränkt. Damals war zu kritisieren, dass die verwendeten Quellen zu einseitig aus der islamkritischen Richtung kamen. All jene Mängel und Auslassungen hat der Autor nun behoben: Er setzt sich auf breiter Quellenbasis mit Befürwortern und Kritikern des Islams auseinander und ermöglicht eine tiefgehende Analyse der religiösen Schriftquellen. Mit Gilles Kepel einen prominenten und angesehenen Vertreter der Gegenthese wählend, zeigt Tartsch Mut und genügend Klarheit, seine These klar zu verteidigen. Schon die Zusammenfassung des ersten Teils kann für sich auf knapp 20 Seiten als gelungene Einführung in den politischen Islam gelten.

Die einzige wirkliche Kritik gilt der Aufmachung des Buches. Schon der Text auf der Rückseite des Einbandes ist unübersichtlich, das Schriftbild des Buches ist katastrophal klein. Die wenigen vorhandenen Abbildungen sind meist miserabel kopiert, anstatt sie für den Druck vernünftig zu reproduzieren. Es ist deutlich zu erkennen, dass der Verlag hier keinerlei Lektorat geleistet, sondern einfach das DinA4-Word-Dokument verkleinert hat. Angesichts der Wichtigkeit dieses Werkes wünscht man sich, der Autor hätte sich einen besseren Verlag gesucht. So hätte vielleicht auch ein einprägsamerer und verständlicherer Titel gefunden werden können, denn der Begriff Da’wa ist nicht sehr weit verbreitet und wie man so schön sagt: In der Kürze liegt die Würze.

Thomas Tartsch (2008): Da’wa und Jihad – Islamischer Fundamentalismus und Jihadismus. Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland? Eine vertiefende Analyse unter Einbeziehung aktueller und empirischer Daten, Europäischer Universitätsverlag, 34.90 Euro.

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