Die Täuschungsstrategien der islamischen Organisationen – voll politischer Sprengkraft!

11. April 2008 0

Rezension zu Alev Inan: Islam goes Internet. Websites islamischer Organisationen im World Wide Web

In Deutschland gibt es mehrere islamische Vereine und Dachverbände, die für sich beanspruchen, die Muslime in Deutschland zu vertreten. Dieser Anspruch nach außen spiegelt sich in ihrem Bemühen, nach innen, also auf die islamischen Gemeinden, als die Vertreter des Islam überhaupt zu gelten. Eine hervorragende Studie hat jetzt die Internet-Auftritte dieser Organisationen untersucht und ihre perfiden Täuschungs-Strategien aufgedeckt.

Inhaltlich orientiert sich die Autorin Alev Inan (CT-Interview) an den Konflikten, die bei der islamischen Religionsausübung in Deutschland auftreten: Vor allem geht es um die Kopftuchdebatte, aber auch um die Teilnahme muslimischer Mädchen am Sport- und Schwimmunterricht und an Klassenfahrten, den lautsprecherverstärkten Muezzinruf (Ruf zum Gebet) von der Moschee, sowie das rituelle Schächten von Tieren ohne Betäubung. Strukturell untersucht die Arbeit die Webseiten der islamischen Organisationen auf ihre Mittel der Selbstdarstellung, der Information über den Islam, der Kommunikation, Interaktivität und Vernetzung der Glaubensgemeinschaften.

Die Web-Angebote sind diesbezüglich sehr vielfältig, es gibt Online-Fatwas (religiöses Rechtsgutachten), den Koran in schriftlicher Form und zum Anhören, Vordrucke zur Befreiung vom Schwimmunterricht und vor allem viele Artikel und Stellungnahmen zu den genannten Konflikten. Dabei treten Absurditäten der deutschen Rechtssprechung zu Tage, wie z.B. das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Münster 2002. Eine muslimische Schülerin hatte die Befreiung von der Klassenfahrt mit der Angst, ihr Kopftuch verlieren zu können, begründet. Die Richter entschieden, dies entspräche einer „partiellen psychischen Behinderung“, die Schülerin könne nur mit einer Begleitperson reisen. Das ist das, was der französische Essayist Pascal Bruckner den Rassismus der Anti-Rassisten nannte!

In „Islam goes Internet“ wird deutlich, wie die islamischen Organisationen (mit Ausnahme der „Föderation der Alevitischen Gemeinden in Europa“) die Argumente ihrer Gegner benutzen und sie ins Gegenteil verkehren. Den Anschein erweckend, Muslimas dürften in Deutschland kein Kopftuch tragen (dabei geht es nur um den Schuldienst), verkaufen sie sich als die Bewahrer der Freiheit. Dabei werden in den islamischen Gesellschaften die Frauen unterdrückt und es ist unsere Aufgabe als Europäer, dies für Europa zu verhindern. Es sind unsere Freiheiten, unsere Rechte und unsere Demokratien, die durch den politischen Islam und die Einführung der Scharia gefährdet werden. Toleranz kann es nach Pascal Bruckner nur für jene geben, die den ihnen zugehörigen Individuen die Freiheit geben, anderes zu handeln. Das ist im Islam leider nicht vorgesehen: Auf Apostatie, den Abfall vom Glauben, steht die Todesstrafe.

Die Autorin folgt in ihrer Untersuchung der Foucault’schen Diskursanalyse: Zunächst betrachtet sie institutionelle Rahmenbedingungen, anschließend die Text-Oberfläche, also Gestaltung und Sinneinheiten. Danach wendet sie sich sprachlich-rhetorischen Mitteln zu, um in der Folge inhaltlich-ideologische Aussagen zu überprüfen. In der abschließenden Interpretation werden die herausgearbeiteten Elemente systematisch-analytisch aufeinander bezogen.

Dieses Vorgehen hat den interessanten Effekt, dass Überblick und Einzelfallanalyse sich immer wieder abwechselnd eine Symbiose bilden. So erhält der Laie eine gute Einführung zu den islamischen Organisationen in Deutschland und den Problemen der islamischen Glaubensausführung. Der Kenner hingegen findet die nötigen Details und zahlreiche Fakten für seine Interessen.

Alev Inan wahrt in ihrer Argumentation stets die nötige wissenschaftliche Neutralität, verknüpft aber die Ergebnisse zu richtigen Zusammenhängen und stellt so die paradoxen Strategien der islamischen Organisationen in den Vordergrund. Sie macht deren Machtansprüche deutlich, indem sie die Aussagen auf den Webseiten als widersprüchlich entlarvt. Und dies, ohne auch nur im geringsten islamfeindliche oder unwissenschaftliche Quellen zu benutzen. So liefert die Autorin mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit ein viel stärkeres Argument gegen die islamischen Organisationen, als jedes polemisches Debattenbuch. Dem eher harmlosen Titel entgegen, liegt hier ein Buch vor, das enorme Sprengkraft birgt und eine größere Wirkung in der Öffentlichkeit verdient hätte.

Alev Inan (2007): Islam goes Internet. Websites islamischer Organisationen im World Wide Web. Tectum, 262 Seiten, 29,90 Euro.

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