Islamisches Wirtschaften exportiert Islamismus

21. Januar 2008 0

Rezension zu Timur Kuran: Islam & Mammon. The Economic Predicaments of Islamism

Eine Wirtschaft im Sinne des Islam gibt es eigentlich gar nicht, behauptet Timur Kuran, Professor für Recht, Wirtschaft und Islamische Kultur an der Universität of Southern California. Die Koranverse sagen zu wenig aus, Zinsverbot und Armensteuer werden umgangen und missbraucht. Stattdessen ist die islamische Wirtschaft eine Erfindung aus dem 20. Jahrhundert, die der Separation der Muslime und der Politisierung des Islams dient.

Anhand dreier maßgeblicher Parameter für islamisches Wirtschaften, Zinsverbot, Zakat (Armensteuer) und ethischer Normen, untersucht der Autor in „Islam & Mammon“ die Funktionsweisen und das Versagen einer vermeintlich islamischen Wirtschaft. Das Buch besteht aus sechs bereits einzeln veröffentlichten Essays und weist daher häufige Dopplungen auf, deckt dafür aber einen sehr breiten Themenrahmen ab. Dabei wird insbesondere die politische Instrumentalisierung der Wirtschaft durch Islamisten deutlich.

Erfindung und koranische Quellen

Entgegen weitverbreiteter Meinung ist das Wirtschaften im Sinne des Islams laut Timur Kuran kein typisches Merkmal dieser Religion. Nur 0,3 Prozent der Koranverse enthalten entsprechende Angaben, diese sind nahezu beliebig auslegbar und nur im historischen Kontext des 7. Jahrhunderts verständlich. Damals galten ganz andere Bedingungen in einer wesentlich einfacher strukturierten Wirtschaft. Es ist aber ein typisches Phänomen für den Islam, rückwärtsgewandt sein Ideal in seinen Anfängen zu suchen: Das ‚Goldene Zeitalter‘ während der Lebenszeit des Propheten Mohammed und der vier rechtgeleiteten Kalifen.

Die islamische Wirtschaft, wie sie heute im Sinne von scharia-gerechtem Banking praktiziert wird, ist aber eine Erfindung vom Beginn des 20. Jahrhunderts in Indien (heutiges Pakistan). Den großen Aufschwung erhielt es erst durch die massiven Preissteigerung des Erdöls in den 70er Jahren. Der wesentliche Vordenker war Savyid Abul-Ala Mawdudi (1903-79), der den Islam als vollständige Regulierung des Lebens betonte. In erster Linie ging es ihm darum, die Einheit der Muslime und eine Abgrenzung der islamischen von der westlichen Welt zu fördern. Erst in zweiter Instanz zielte er auf ein sinnvolles Wirtschaften. Mawdudi wollte angesichts der industriellen Revolution in Europa Indiens Muslime modernisieren und zugleich an ihren Glauben rückbinden. Sein ‚Reform-Islamismus‘, so paradox diese Wortkombination klingen mag, lebte von der Idee einer Modernisierung ohne Verwestlichung. Die politischen Züge warem dem islamischen Wirtschaften also von Anfang an immanent.

Mawdudis Bezug auf das ‚Goldene Zeitalter‘ des Islams verkennt allerdings die zu dieser Zeit vorherrschende Armut und harten Lebensbedingungen im arabischen Raum. Die wirklich erfolgreichen Zeiten islamischer Herrschaft, wie das Osmanische Reich und das islamische Spanien, konnten für Mawdudi nur als Seitenbeweis für den Erfolg islamischen Wirtschaftens gelten, da dort eine massive Vermischung der Kulturen und Akzeptanz der anderen Religionen stattfand. Mawdudi hingegen strebte die Separation der Muslime an. Ebenso, wie der weitere maßgebliche Denker des wirtschaftlichen Islams, Sayyid Qutb (1906-66), der bekanntlich für die Entstehung der islamistischen Muslim-Bruderschaft verantwortlich ist.

Das Zins-Verbot

Bei dem Zinsverbot im Islam handelt es sich eigentlich um ein Gegenmittel zum vorislamischen ‚riba‘, der Verdopplung der Schulden bei verspäteter Rückgabe. Da auch der Aufschlag bei erneuter Verspätung verdoppelt wurde, heute bekannt als Zinseszins, führte diese Praxis oft zur praktischen Versklavung der Schuldner.

Die heute üblichen zinsfreien Darlehen, Konten usw sind jedoch nichts anderes als die bloße Umbenennung von ‚Zins‘ im ‚Gebühr‘. So z.B. bei dem sogenannten ‚murabaha‘: Es handelt sich hierbei um eine verspätete Zahlung (Darlehen), bei der zusätzlich zum ursprünglichen Kaufpreis eine Gebühr berechnet wird. Das ist jedoch nichts anderes als Zins.

Dieser verschleierte Zins ist eigentlich noch eine größere Sünde für den Muslim, wie der Autor mit dem türkisch-islamischen Denker Suleyman Uludag zeigt: Nicht nur das Zins-Verbot wird gebrochen, die Kaufleute werden zudem noch daran gehindert, ehrlich und vertrauensvoll zu handeln. Wirtschaften im Sinne des Islam ist somit sein eigener Feind!

Desweiteren verhindert das islamische Wirtschaften, Kredite an Unternehmen mit Cash-Flow-Problemen oder an Start-Ups zu vergeben, da hier das Risiko nur vom Geldgeber getragen würde, was der Gleichverteilung von Risiko und Gewinn zwischen den Geschäftspartnern widerspricht. Somit wird allerdings das Wirtschaftswachstum im islamischen Raum behindert und Innovationen können nicht umgesetzt werden.

Zakat

Allgemein als Armensteuer bekannt, ist Zakat eine der fünf Säulen des Islams und muss somit von jedem Muslim gezahlt werden. Die Zahlung der Zakat ist meist freiwillig organisiert und von schlechter Zahlungsmoral gezeichnet. Nur wenige Staaten, wie Saudi Arabien, Malaysia und Pakistan, sammeln die Steuer staatlich ein. Allerdings entspricht die Definition von Zakat meist noch der koranischen, sprich dem 7. Jahrhundert: Viele Berufsgruppen sind davon ausgeschlossen, dafür werden vor allem die ärmeren Wirtschaftszweige belangt.

So zieht z.B. der Staat Malaysia Zakat vor allem bei den Reisbauern ein, die größtenteils unter der Armutsgrenze leben. Im Gegenzug erhalten sie aber kaum Auszahlungen der Armensteuer, da nur ein geringer Prozentsatz an die Armen geht, während der Großteil in der – teils korrupten – Verwaltung hängen bleibt oder an religiöse Einrichtungen geht. Die vermeintliche Armensteuer entzieht den Armen also Kapital, anstatt es ihnen zukommen zu lassen!

Ethische Normen und Auswirkungen

Timur Kuran zeigt auf, wie sich vor allem in den westlichen Ländern islamische Wirtschafts-Subkulturen bilden, da muslimische Händler vorwiegend untereinander handeln. Dafür lassen sich zwei Gründe anführen: Erstens könne der muslimische Händler sein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Religion durch islam-konformes Wirtschaften beruhigen. Zweitens sei die Kontaktaufnahme in einem Netzwerk Gleichgesinnter wesentlich einfacher. Bei allem Versagen von Zinsverbot, Zakat und ethischer Normen scheint also lediglich die politische Dimension ganz im Sinne Mawdudis zu funktionieren.

„Jede der beiden prinzipiellen Einrichtungen, die durch islamisches Wirtschaften erzeugt werden, Zakat und islamisches Banking, bietet die Quellen zur Finanzierung des islamischen Fundamentalismus, oder einfach Islamismus.“ Die Banken führen einen Teil ihrer Gewinne an religiöse Einrichtungen ab und in Ländern, in denen die Almosensteuer Pflicht ist, werden damit vor allem Koranschulen unterstützt, die eine islamistische Weltsicht verbreiten. Die politische bis terroristische Dimension des islamischen Wirtschaftens liegt also in der Unterstützung von Parteien oder Organisationen, die Muslime von Nicht-Muslimen wirtschaftlich, sozial und kulturell trennen wollen.

Der Arab Human Development Report (AHDR) bemängelt in der islamischen Welt vor allem fehlende Freiheit, Frauenbenachteiligungen und Wissenschaftsdefizite. Timur Kuran schlussfolgert: „Diese nicht zu verleugnenden Defizite vor Augen, scheint die Bedeutung der islamischen Wirtschaft weniger darin zu liegen, was sie anpreist, als vielmehr in den Themen, die sie vermeidet.“

Der Verkauf unserer Freiheit

Unter dem Vorwand einer gerechten und der Religion entsprechenden Wirtschaft wird ein System propagiert, das in der Scharia, dem islamischen Gesetz, seine perverse Krönung findet: Frauenunterdrückung, keinerlei Freiheit und bestialische Strafen. Es ist erschreckend, wie europäische und amerikanische Banken nach Petrodollar lechzend, islamisches Banking & scharia-konforme Geldanlage in den freien Westen holen, ohne die politischen Auswirkungen auch nur im Geringsten zu verstehen. Für die dringend nötige Aufklärung ist dieses Buch ein erster, sinnvoller Schritt!

Timur Kuran (2006): Islam & Mammon. The Economic Predicaments of Islamism, Princetown University Press, 21.99 Euro.

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