Einführung der Scharia unter dem Deckmantel eines alternativen Wirtschaftssystems

7. Dezember 2007 0

Rezension zu Hatem Imran: Das islamische Wirtschaftsrecht. Normen und Prinzipien eines alternativen Wirtschaftsystems

Islamic Banking, Scharia-konforme Geldanlagen und Petrodollar kursieren immer öfter durch unsere Medien. Sowohl im arabischen und asiatischen Raum, als auch in Europa wächst der Markt für muslimische Finanzprodukte enorm. Hatem Imran erklärt in „Das islamische Wirtschaftsrecht“ erstmals umfassend auf Deutsch die Vorschriften zu Zins, Spekulation, Vertrag und Kauf im Islam. Unter dem Vorwand eines gerechten Wirtschaftsystems bewirbt er jedoch die allgemeine Islamisierung.

Zins, Spekulation, verbotene Güter

Die Vorschriften des Islams zu Handel und Wirtschaftswesen leiten sich direkt aus dem Koran und den Aussagen und Handlungen Mohammeds (Sunna) her. Am bekanntesten ist das Verbot des Zins‘, da dieser eine Mehrleistung ohne Gegenwert darstelle. Außerdem müssen bei Geschäften „im Namen Allahs, des Gnädigen, Barmherzigen …“, die Verhältnisse von Ware und Preis, respektive Gewinn, sehr klar sein. Spekulation ist nur in begrenztem Maße möglich, wenn alle Beteiligten an Gewinn und Verlust partizipieren. Außerdem ist der Handel mit Gütern wie Schweinefleisch und Alkohol, die nach der Scharia (islamisches Recht) verboten sind, untersagt, ebenso wie Glücksspiel, Pornografie und Prostitution. Hatem Imran – selbst Muslim – erklärt all jene Verbote und die Möglichkeiten islamischen Wirtschaftens an Koranzitaten, Sunna und Fatwas (islamische Rechtsgutachten). Auch gibt er dem Muslim konkrete Handlungshilfen vom zinslosen Konto bis hin zum zinslosen Darlehen für den Hausbau.

Quellenwahl und persönliche Ausrichtung

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Buch allerdings sehr fraglich. Der Autor verwendet nahezu ausschließlich islamische Fachliteratur und beschränkt sich so auf eine Innensicht des Systems. Dies verwundert, da der Text an der Fachhochschule München als Diplomarbeit anerkannt wurde. Ein wissenschaftlicher Anspruch müsste jedoch die Einbeziehung neutraler Experten fordern.

Besonders kritisch ist einzuschätzen, dass Hatem Imran eine Koranübersetzung des „Islamischen Zentrums München“ benutzt. Dieses vertritt einen streng konservativen Islam und steht der „Muslim-Bruderschaft“ nahe, die wiederum für die weltweite Verbreitung des politischen Islams steht. Begründer des „Islamischen Zentrums München“ war Said Ramadan, der 1948 in Palästina kämpfte und zu den führenden Aktivisten der „Muslim-Bruderschaft“ zählte. Deren Begründer, Hassan al-Banna, war Said Ramadans Schwiegervater. Und zu seinen Freunden zählte Sayyid Qutb, der Vordenker terroristischer islamistischer Organisationen, Osama bin Ladens und der weltweiten Einführung der Scharia.

Die zitierten Koranstellen unterscheiden sich zwar nicht maßgeblich von der wissenschaftlich fundierten Übersetzung des Korans durch Rudi Paret, Hatem Imran gibt so aber viel von seiner persönlichen Einstellung preis. Seine Auslegung des Islams und der Scharia ist immer eine sehr traditionelle und strenge.

… scheinbar gerecht…

Von Anfang an hat der Leser das Gefühl, eine Werbebroschüre mit ausführlichem AGB-Teil in den Händen zu halten. Die islamische Wirtschaft sei das gerechte System. Beim Gedanken an die Armut in islamischen Ländern steigt jedoch der Eindruck, dass der Autor zu einer völligen Fehleinschätzung kommt. Selbst die Rentenökonomien der Öl-exportierenden-Länder können das nicht ändern, wie der Arab Human Development Report (AHDR) und andere Studien regelmäßig zeigen. Schon Maxime Rodinson schrieb 1968 in seinem Werk Islam und Kapitalismus: „Der grundsätzliche Widerstand des Islam gegen den Kapitalismus ist ein Mythos, gleichgültig ob diese These in guter oder böser Absicht vorgetragen wird.“ Der Orientalist zeigte auf, dass der Islam zu einer starken Ökonomisierung des arabischen Raums beitrug und nicht gerade zur Solidarität mit wirtschaftlich Schwächeren.

Der Islam und sein Allherrschaftsanspruch

Die ausführliche Darstellung Hatem Imrans der nach der Scharia erlaubten Handelsmethoden zeigen ganz deutlich, wie der Anspruch einer Religion, das komplette Leben ihrer Anhänger zu regulieren, scheitern muss. Der Autor bezeichnet mit seiner konservativen Auslegung die Mittel, z.B. den verbotenen Zins zu umgehen, zwar als völlig andere Denk- und Handlungsweise, es ist aber nichts anderes als Verbotsumgehung durch andere Benennung. Die islamische Geschichte hat unzählige Literatur zur Umgehung des Zinsverbotes (arab.: Hila) hervorgebracht. So darf z.B. der Verkäufer bei einer Bezahlung in Raten keinen Zins, aber einen erhöhten Preis verlangen – was im Endeffekt das gleiche ist. Ein anderes Beispiel ist das islamischer Banken: Sie dürfen nur zinslose Produkte anbieten, die Spekulation unterliegt strengen Regeln und die Investition in Unternehmen, die mit nach der Scharia verbotenen Gütern, wie z.B. Schweineprodukten oder Alkohol, handeln ist verboten. Allerdings reicht den überwachenden Scharia-Advisory-Boards oft eine 70/30-Regelung, d.h. nur 70 % der Finanzprodukte müssen islamische korrekt sein. Außerdem bleibt eine rein islamisch handelnde Bank als Tochterunternehmen z.B. der Deutschen Bank immer noch eine Firma, die einer anderen – nicht Scharia-gerechten – gehört. Der Regelungsanspruch des Islams zwingt also seine Anhänger dazu, die eigenen Vorschriften ständig zu umgehen und zu brechen – ein erbärmliches Armutszeugnis!

Verbreitung des Islams unter falschem Vorwand

Immer wieder wird von ihm das islamische Wirtschaftssystem als ein alternatives zum westlichen Kapitalismus bezeichnet. Angeblich gerechter und nachhaltiger, offeriert der Autor die Grundsätze der Scharia. Nur ganz nebenbei erwähnt er z.B.: „Der Umgang mit ‚Materie‘ kann also keinesfalls unter rein ökonomischen Gesichtspunkten, losgelöst von […] religiösem Bekenntnis gesehen werden.“ An anderer Stelle erläutert er den starken Einfluss des Staates im islamischen Wirtschaftsystem: „Eine Trennung von Religion, Politik und Wirtschaft ist in der islamischen Vorstellung undenkbar.“ Soziale Werte seien in einem säkularen Staat nicht umsetzbar, „weil dort religiöse Werte vom wirtschaftlichen Feld getrennt betrachtet würden.“ Mit anderen Worten: Hatem Imran fordert hier eine Einführung der Scharia in der ganzen Welt! Er bestätigt dies auch später, wenn er die Möglichkeiten einer islamischen Wirtschaft im kapitalistischen Umfeld mit Zins erörtert: Es müsse „langfristig ein Wirtschaften ausschließlich im Rahmen der eigenen [islamischen] Möglichkeiten erreicht werden.“

Das Buch entspricht der Vorgehensweise der „Muslim-Bruderschaft“ bei der Unterwanderung unserer freien Gesellschaften. Unter dem Deckmantel der Friedlichkeit wird versucht, Muslime und Nichtgläubige für die eigenen Ziele zu instrumentalisieren. Unfassbar, dass ein solch unverhohlener Anspruch auf die Islamisierung des Westens als wissenschaftliche Arbeit anerkannt wird!

Hatem Imran: Das islamische Wirtschaftsrecht. Normen und Prinzipien eines alternativen Wirtschaftsystems, Salzwasser Verlag, 2006, 29,90 Euro.

Leave A Response »