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28. April 2007 0

Rezension zu Jytte Klausen: Europas muslimische Eliten. Wer sie sind und was sie wollen

Muslime gibt es heutzutage in jedem europäischen Land, vor allem Einwanderer und Flüchtlinge. Und immer mehr wollen diese Minderheiten ihre Rechte, Traditionen und vor allem ihre Religion in Europa leben und ausleben. Dabei sind verschiedene Strömungen sichtbar, das Spektrum reicht von terroristischen Islamisten über Vertreter eines politischen Islam bis hin zu moderaten und säkularen Muslimen. Auf unterschiedlichste Art und Weise versuchen sie politischen und gesellschaftlichen Einfluss zu gewinnen. Die Politikwissenschaftlerin Jytte Klausen hat nun eine wissenschaftliche Studie vorgelegt, die sich vorwiegend mit jenen muslimischen Eliten beschäftigt, die sich jenseits des religiösen Fundamentalismus an Politikprozessen beteiligen wollen.

Über 300 Muslime so genannter Eliten hat die Autorin dazu befragt, also Ärzte, Juristen, Politiker. Es sind vor allem diejenigen, die aufgrund politischer oder religiöser Unterdrückung ihre Heimatländer verlassen haben. Sie wollen in den freien Ländern Europas Vorzüge wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und das Recht auf politische Partizipation ausleben. Klausen zeigt persönliche Facetten auf und versucht zeitgleich immer wieder den Blick auf organisatorische Ebenen zu lenken.

Dabei kristallisiert sich ein interessantes Phänomen heraus: Muslime wollen oft als offizielle Religion anerkannt werden und damit verbundene Rechte haben, vor allem Sonderrechte wie z.B. das Schächten unbetäubter Tiere. Allerdings sehen sie nicht ein, dass mit Rechten immer auch Pflichten einhergehen. So können Muslime nicht besondere Antidiskriminierungsmaßnahmen für sich in Anspruch nehmen und zugleich Homosexuelle diskriminieren oder Frauen als dem Mann untertan behandeln.

Generell muss man Klausen leider vorwerfen, ihre wichtigen Fakten nicht richtig zu interpretieren. Die Konnotation der sicherlich richtigen Daten ist oft verharmlosend. So wird z.B. der deutsche Verfassungsschutzbericht zur islamistischen Organisation Islamische Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) so beiläufig erwähnt, als handle es sich um einen unbedeutenden türkischen Lokalsportverein. Dabei ist die IGMG eine der größten islamischen Organisationen in Deutschland sowie systematisch verfassungs- und demokratiefeindlich.

Die Autorin zitiert die Aussagen der politisch motivierten Muslime sehr gutgläubig, ohne auch nur an Täuschung und Falschaussage zu denken. Das islamische Prinzip der Taqiya (arab., etwa: Erlaubnis zur Verleugnung des Islams zur Verbreitung desselben) scheint ihr unbekannt zu sein. Dies hat zur Folge, dass Europas muslimische Eliten zwar eine sehr gute Daten- und Faktensammlung zum Thema des politischen Islam in Europa liefert, die Interpretation und Auswertung sollte jedoch kritisch hinterfragt werden.

Jytte Klausen (2006): Europas muslimische Eliten. Wer sie sind und was sie wollen. Frankfurt am Main: Campus Verlag, 306 Seiten, 29,90 Euro.

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