Vom Islam zum Staatsbürger und zur Freiheit

15. März 2007 0

Rezension zu Ayaan Hirsi Ali: Mein Leben, meine Freiheit. Die Autobiographie

Spätestens seit dem Mord am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh durch einen fanatischen Muslim ist der Name Ayaan Hirsi Ali bekannt. Sie hatte das Drehbuch zu ‚Submission’ geschrieben, jenem islamkritischen Film, der Theo van Gogh das Leben kostete. Auf dessen Leiche war eine Morddrohung an die junge Frau und Ex-Muslimin gerichtet. Seitdem lebt sie mit ständigem Personenschutz und emigrierte sogar in die USA. In einer umfassenden Autobiografie legt die ehemalige Abgeordnete des niederländischen Parlaments nun ihren Weg vom Islam in die Freiheit dar.

Ihr Leben

Alles beginnt im Somalia der Siad-Barrés-Diktatur 1969. Ayaan wächst mit der Vermischung somalischer Stammesbräuche, Islam und Familientradition auf. Ihr Vater arbeitet gegen das Regime und ihre Mutter verprügelt sie oft. Mehrere Umzüge nach Saudi-Arabien, Äthiopien und Kenia zeigen dem Mädchen immer wieder andere Kulturen und prägen ihr Temperament. Als sie schließlich gegen ihren Willen verheiratet werden soll, flieht sie nach Europa. Sie findet in den Niederlanden Unterschlupf und beginnt langsam zu begreifen, dass die Welt der Ungläubigen gar nicht so schlecht ist, wie sie vom Islam projiziert wird. Stattdessen funktioniert alles, Busse kommen pünktlich, es gibt fließendes Trinkwasser und das wichtigste: Sie darf lernen, studieren und ihre Meinung sagen. Ayaan Hirsi Ali wird immer mutiger und schafft es schließlich, sich von ihrem Glauben abzuwenden und dem täglichen Zwiespalt zwischen Allahs überkommenen Vorschriften und dem tatsächlichen Leben zu entkommen. Damit beginnt ihr Kampf für die Befreiung der muslimischen Frauen aus der Unterdrückung durch Ehemänner, männliche Verwandte und Religion.

Ihre Freiheit

Dieses Buch ist nicht nur so wichtig und begeisternd, weil die Autorin eine der mutigsten und beeindruckendsten Frauen unserer Zeit ist. Sondern auch, weil sie uns Europäern die schläfrigen Augen öffnet für unsere eigenen Errungenschaften, wie Presse-, Religions- und Meinungsfreiheit, Gleichheit von Mann und Frau und Demokratie. So wie sie langsam begreift, was Sozialstaat und Freiheit für unermessliche Werte bilden, so wird sich auch der Leser dieser Vorteile wieder bewusst. Ayaan Hirsi Ali zeigt aber auch, wie wir mit falsch verstandener Toleranz gegenüber radikalen Muslimen in Europa diese Werte aufs Spiel setzen und zu verlieren drohen. Mit ihrer Begeisterung für die Demokratie und der ihr innewohnenden Möglichkeiten wird sie zum regelrechten ‚homo politicus’. Platon und Aristoteles hätte ihre Freude an ihr gehabt.

Der Lesers Nutzen

Ayaan Hirsi Ali kann uns allen als Vorbild dienen, zugleich ist Mein Leben, meine Freiheit aber auch eine unpersönliche Biografie. Denn schließlich geht es, wie die Autorin selbst immer wieder betont, nicht um sie, sondern um unser aller Freiheit und eine Religion, die mit veralteten Maßstäben das Leben aller regulieren und beschränken will. Ein Werk, das trotz seines Umfanges kurzweilig und spannend bleibt, und das in das Bücherregal eines jeden aufgeklärten Menschen gehört.

Ayaan Hirsi Ali: Mein Leben, meine Freiheit. Die Autobiographie, Piper Verlag, 2006, 19,90 Euro.

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